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Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 12 – Sanftmut und Demut (85:00 bis Ende)

Und wie man das so sagt in der Welt: In dem Restaurant, wo man isst, bezahlt man auch. So wirst du auch deine finanzielle Verpflichtung in der Gemeinde übernehmen und du wirst das nicht als eine Zumutung empfinden: „Was? Jetzt bin ich schon so nett und werde hier Gemeindemitglied und jetzt soll ich auch noch den Zehnten abdrücken?! Na, wo kommen wir denn da hin?! Na, ich glaube, ich werde doch mal den Herrn Sektenpfarrer benachrichtigen, was hier abgeht!“

Ja, solche Leute gibt es!

Kein Verständnis von was das Wort sagt. Keine Reinheit des Herzens, keine Hingabe an Wahrheit, machen, was sie wollen, kaum kommt irgendetwas, was ihnen nicht in den Kram passt, dann gehen sie irgendwo an die Zeitung oder irgendwo hin und beschweren sich da. Und denken, sie tun Gott noch einen Gefallen damit. Das gibt es wirklich.

Die Bibel sagt davon, dass der Zehnte unseres Ertrages in das Haus des Herrn gehört. Und sag nicht, das ist alttestamentlich, das kannst du mitten im Neuen Testament wiederfinden und das ist göttlich und das ist ein Ausdruck meiner Liebe, meiner Hingabe und meiner Ernsthaftigkeit in meiner Beziehung zum Herrn und zur Gemeinde. Du kannst nicht den Herrn mehr lieben als du deine Gemeinde liebst.

Jak 5,14a sagt:
Ist jemand krank unter euch? Er rufe die Ältesten der Gemeinde zu sich.

So viele Christen können das nicht tun.

Warum nicht? Weil sie gar keine Ältesten haben. Warum haben sie keine Ältesten? Weil sie nicht tun, was das Wort sagt.

Das Wort sagt: Sie wurden hinzugetan als lebendige Steine.

Apg 2,41
Diejenigen, die nun bereitwillig sein Wort annahmen, ließen sich taufen, und es wurden an jenem Tag etwa 3 000 Seelen hinzugetan.

1Petr 2,5
so lasst auch ihr euch nun als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus, als ein heiliges Priestertum, um geistliche Opfer darzubringen, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus.

„Lasst euch einbauen zum heiligen Tempel“. Du hast dich nie einbauen lassen! Du wolltest immer ein unabhängiger Stein sein, hier mal ein bisschen, da mal n bisschen, da mal n bisschen.

Und Gott sagt: Finde deine Gemeinde. Finde heraus, besuche alle Gemeinden dieser Stadt und dann verschaff dir einen Überblick, wie viele es gibt und dann sag: Gott, jetzt rede zu mir, wo ist meine Gemeinde? Und wenn Gott sagt, das ist deine Gemeinde, dann sei dort treu, diene dem Pastor, diene den Ältesten, gib dein Geld da hinein, gib deine Kraft hinein und du wirst sehen, du wirst heile werden, du wirst gesund werden. Du wirst ein Mensch werden, der belastbar wird, der arbeitsfähig ist, der liebesfähig wird, der einfach etwas tun kann für Gott und den Gott segnen kann.

So viele Leute wollen auf ihre Art und Weise den Segen haben, wollen Heilung haben, aber nicht auf die ganz simple Art und Weise wie es die Bibel sagt – mit Demut und mit Sanftmut.

Und ihr seid klüger als das, ihr werdet welche werden, die sagen: Ich will den ganzen Segen, und das heißt, ich werde ein verbindlicher, treuer, hingegebener Christ, auf den man zählen kann, auf den Gott zählen kann, auf den die Geschwister zählen können, auf den die Gemeinde zählen kann.

Alles andere ist frommer Selbstbetrug und wird niemals zu echten Durchbrüchen in Familie, in Arbeit oder geistlichem Dienst führen. Niemals und nirgendwo. Okay, das ist der Weg: Verbindliches Leben in der Gemeinde. Hallelujah. Amen.

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Also ganz zum Schluss von unserem Seminar, was hoffentlich Hilfe gebracht hat und Antworten gegeben hat, Grundlagen des biblischen Lebensstils, will ich also noch einige Dinge sagen für unsere lieben Hörer und auch für euch hier – und zwar:

Es gibt zwei Themen, die in der alten Serie des Grundlagenseminars enthalten sind, die in der neuen nicht mehr drin sind – einfach aus Platzgründen, weil das alles immer mehr expandiert ist, haben wir das nicht mehr reingekriegt. Aber diese beiden Teile „Heilung gehört uns“, was eine kurze knappe Übersicht über körperliche Heilung ist, und auch „Evangelisation im Alltag“, also der missionarische Lebensstil sind jetzt als Einzelkassetten erhältlich und zwar „Heilung gehört uns“ als Nummer H111 und „Evangelisation im Alltag“ als H112.

Und außerdem gibt es ab November/Dezember ’95 ein neues, völlig neues, viel besseres, noch schöneres Grundlagenstudienheft eben zu dieser neuen Kassettenserie „Grundlagen des biblischen Lebensstils“. Also damit dann Gottes Segen und Tschüss, bis wir uns irgendwann mal sehen.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 12 – Sanftmut und Demut (80:00 bis 85:00)

Und du gehst hin und sagst: Weißt du, ich will dir mal ganz ehrlich sagen, ich bin dir nicht böse und ich hab nichts gegen dich, aber das, was du da getan hast, hat mich tief verletzt.

Das ist Demut. Das ist Leben im Licht, Leben in Offenheit.

Und das kann sich nur erlauben, wer geschützt ist von Gott.

Du sagst: Meine Güte, ich werde doch nicht Schwester Friederike so etwas Intimes erzählen! Die nimmt das und die druckt das im Gemeindeblatt ab! Und wie stehe ich denn da vor der Gemeinde?

Wir haben Angst! Wir bauen Mauern auf! Wir machen religiöse Fassaden.

Warum hat man das erfunden – die Stuhlreihen hintereinander? Weil das viel sicherer ist, den Hinterkopf zu betrachten als den Vorderkopf.

Gemeinschaft – dazu müssen wir uns anschauen. Natürlich, wenn wir eine Riesenversammlung sind und wir haben jetzt „Wort-Gottesdienst“ – logisch! Ist klar, irgendwie vorne ist die Folie und wir gucken alle in eine Richtung. Vorne ist die Kanzel und da wird das Wort verkündigt, wir gucken in eine Richtung – kein Problem. Aber wenn unser ganzes Kirchenchristsein darin besteht, dass wir nur immer sonntags den Hinterkopf des Vordermanns anschauen – wie sollen wir da Gemeinschaft haben? Wie sollen wir da lernen, einander zu lieben, einander zu dienen? Wie können wir da ehrlich sein? Du siehst ihn ja nichtmal. Du sagst ihm nicht mal Guten Tag.

Also da sehen wir einfach, Leben in der Gemeinschaft – das braucht etwas. Dazu brauchen wir eine Hingabe an einander. Und wenn ich verstanden habe, im Hauskreis, das sind meine Brüder und Schwestern und da hat Gott mich hingestellt, in diesen Hauskreis, und ich habe Verantwortung, dann bin ich auch an dem Samstag, wo der Putzeinsatz ist, mit Freuden da und lass mir nicht irgendwas einfallen, warum ich da gerade an diesem Tag irgendwie meine Oma besuchen muss oder irgend so etwas.

Und dann weiß ich, sie brauchen mich. Und ich gehe hin. Ich gehe hin einfach, weil ich Teil der Gemeinschaft bin und Gott wird irgendetwas durch mich geben. Und sei es nur ein erlöstes Lächeln und das wird die Stimmung deutlich heben – Gott will etwas geben durch mich für die anderen. Und deswegen gehe ich hin.

Und nicht: Ach, ich habe heute mal keine Lust.

Und man geht mal und mal wieder nicht.

Wenn wir verstanden haben was Beziehungen in Verbindlichkeit sind, dann haben wir ein für allemal entschlossen: Ich gehe zum Hauskreis solange ich Krabbeln kann oder mich auf allen Vieren fortbewegen kann, bin ich im Hauskreis. Und es gibt Leute, die sagen: Naja, wir wollen mal nach der Arbeit sehen, wie fit ich noch bin, ob ich es noch schaffe zum Hauskreis.

Das hört sich irgendwie sehr verständlich an, aber ich sage dir eines: Es ist nichts anderes als Unabhängigkeit, nichts anderes als Unabhängigkeit! Das ist der alte Stil – nur in frommer Weise: Ich mache, was ich will.

Man könnte es nämlich ganz anders machen. Du sagst: Ja, willst du etwa erwarten, dass ich mich den Abend da rumquäle und bin total müde, mir fallen die Augen zu?

Nein! Wenn du sagst, ich liebe meine Geschwister, ich hab ein für alle mal entschlossen, auf mich werden sie nicht verzichten, ich bin viel zu wichtig für sie, ich gehe hin und ich bin ein Segen für sie – und du wirst sehen, du kommst da hin und vielleicht beim ersten Lied oder wenn du deinen Fuß über die Schwelle setzt, die Kraft Gottes kommt auf dich und du bist total fit!

Okay, verbindliche Gemeinschaft, ihr Lieben, heißt, ich erkläre mich.

Es gibt so viele, die schleichen rein in die Gemeinde und dann schleichen sie sich wieder raus.

Warum schleichen sie rein? Damit nachher das Rausschleichen nicht auffällt.

Ja, das ist der Grund.

Aber in einer Ehe schleichst du dich auch nicht hinein. Wie gehst du da hinein? Vor Zeugen!

In Gegenwart eines Staatsvertreters – und wenn du es richtig machst, auch noch in Gegenwart eines Pastors in der Gemeinde – erklärst du vor hunderten von Menschen: Das ist mein von Gott mir zugedachter Ehepartner, bei dem bleibe ich so lange bis der Tod mich scheidet.

Das ist nicht eine fromme Formel und wir haben noch einen Pastor dazugeholt, damit es recht nett ist fürs Familienalbum, sondern das ist ein heiliges Wort vor Gott.

Und ich habe manches Mal gesagt: Bist du dir im klaren – wenn du mich holst als Pastor, ich nehme dir das ab. Wenn du sagst „bis der Tod mich scheidet“ – ich sage dir, wenn ich eines Tage sehe, dass du das nicht mehr ernst meinst, ich komme hinter dir her! Und ich werde dir helfen, das Wort zu erfüllen. Weil ich nicht eine Staffage bin, nur um das irgendwie noch religiös abzurunden, sondern ich glaube, dass die Eheschließung eine heilige Angelegenheit ist.

Und seltsamerweise, unser Staat sagt: Hier ist ein Papier, unterschreibe das.

Und die Leute sagen: Na, die Ehe besteht ja nicht in dem Papier!

Ganz sicherlich nicht! Aber doch ist das Papier ein Dokument! Und ich verpflichte mich, es ist ein Vertrag, ich erkläre etwas. Und aus genau denselben Gründen haben wir eine Gemeindemitgliedschaft. Und wenn du wirklich klar im Kopf bist und wenn du verstanden hast, was du brauchst, dass du geistlichen Schutz brauchst, dass du Geschwister brauchst, die dir helfen, dass du verbindliche Gemeinde brauchst – dann sagst du nicht: Na, heute gehe ich mal in die „Gemeinde auf dem Weg“ und morgen bin ich wieder in dieser Gemeinde und nächsten Sonntag bin ich in der.

Sondern du sagst: Gott, wo ist meine Gemeinde? Und du gehst in diese Gemeinde, und dann sagst du: Pastor, hier bin ich, Gott hat mir gesagt, dies ist meine Gemeinde, ich bin nicht deswegen hier, weil hier der schärfste Lobpreis ist in der ganzen Stadt, sondern ich bin hier, weil Gott mir gesagt hat, das ist meine Gemeinde. Und hier bleibe ich. Hier ist mein Zuhause.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 12 – Sanftmut und Demut (75:00 bis 80:00)

Das ist ganz schön schockierend, nicht wahr?

Aber bitte keine Verdammnis! Wir können ja alle besser werden. Und wir können alle zulegen und wachsen – Gott hat Gemeinde gegeben und wenn wir Christen sind, dann will Er, dass wir hineinkommen in die Gemeinde.

Und zwar auf eine verbindliche Art und Weise, wo ich meinen Platz unter der Leitung Gottes finde, wo ich beginne, Verantwortung zu übernehmen, wo ich beginne, transparent zu sein – nicht im Sinne von „das gläserne Sektenmitglied“ oder so, was total durchleuchtet wird und elektronisch erfasst ist. Sondern wo ich ehrlich bin, wo ich offen bin, wo ich aufhöre, Spielchen zu spielen. Und wo ich sage: Ihr lieben Brüder, das sind meine Nöte, betet für mich.

Und wo wir wirklich lernen zu geben und zu nehmen. Und wo wir zusammen gehören.

Und wo wir eines kapieren, was irgendwie unsere ganze Haltung total verändern wird: Wenn wir Christ geworden sind, wir gehören als Kinder Gottes in eine Familie und in dieser Familie gehören wir einander!

Und wenn jemand mir so etwas erzählt: Ich brauche nicht mehr in den Hauskreis zu kommen, ich habe noch so viel zu tun mit der Predigt vom Sonntag und ich kann nicht am Mittwoch schon wieder was neues aufnehmen und immer mehr lernen und deswegen kann ich jetzt erstmal nicht in den Hauskreis kommen – ich weiß eines: Der hat überhaupt noch nicht verstanden, was „Leben in der Gemeinde“ bedeutet.

Ich sage: Wie wärs wenn du in den Hauskreis nicht kommst, um zu nehmen – sondern um zu geben?

Meinetwegen du kannst im Moment nichts nehmen, macht ja nichts, aber komm in den Hauskreis um zu geben!

Und ich habe das immer versucht und wir haben Bombenstimmung im Hauskreis gehabt, wir haben das eintrainiert: Wir gehören einander.

Da fängst du aber an deine Brüder und Schwestern anders zu behandeln wenn du kapierst, du gehörst ihnen, und sie gehören dir.

Und – oh Schreck – jetzt kommt’s noch dicker: Sie haben ein Recht darauf, am Mittwoch – und nicht nur am Mittwoch, auch am Sonntag und wann immer sonst sie dich so treffen würden, sie haben ein Recht darauf, dich fröhlich, freundlich und liebevoll zu erleben.

Bäm!

Das ist der Hammer!

Was? Soll das etwa behaupten, dass ich für die immer nur ein Lächeln auf den Lippen haben muss?!? Und nie mal meinen Zorn rauslassen kann?!

Dein Zorn kannst du dem Herrn übergeben. Und nicht deinen Geschwistern.

Und der Herr redet nicht von einem aufgetünchten charismatischen Lächeln und darunter brodelt der Vulkan. Sondern dass du deine Wut, deinen Zorn und dein ungerecht behandelt sein und all das dem Herrn übergibst und sagst: Gott, nimm das aus mir heraus, das ist ja furchtbar! Wenn du das nicht von mir nimmst, ich laufe Gefahr, dass das nächste Gemeindemitglied das abkriegt wenn es mit mir irgendwie zusammentrifft. Befrei mich von diesen negativen Dingen, die da in mir so brodeln und kochen und so sind.

Wir gehören einander! Und es ist nicht meine Privatsache, in welcher Stimmung ich am Mittwoch in den Hauskreis komme.

Denkt mal über sowas nach.

Das hat aber Konsequenzen, wenn man das wirklich übernimmt. Wir sollen einander zur gegenseitigen Auferbauung dienen. Und dein Bruder wird nicht davon aufgebaut, indem du ihm alles erzählst, was schreckliches Schwester Friederike alles dir negatives angetan hat und wie sie dich verletzt hat und beleidigt hat – davon wird er nicht aufgebaut.

Und wir sagen dann schnell: Ja, aber ist doch wahr!

Und die Schrift sagt: Du, dass etwas wahr ist, ist noch lange keine Berechtigung, dass du es weiter erzählst.

Alles, was wahr ist – und was aufbaut.

Phil 4,8
Übrigens, Brüder, alles, was wahr, alles, was ehrbar, alles, was gerecht, alles, was rein, alles, was liebenswert, alles, was wohllautend ist, wenn es irgendeine Tugend und wenn es irgendein Lob gibt, das erwägt!

Das sollen wir reden.

Und indem du brühwarm weitererzählst, was Schwester Friederike an dir getan hat, beweist nur, dass du ihr noch gar nicht vergeben hast. Und da ist der Punkt: Die Liebe deckt zu.

1Petr 4,8
Vor allen Dingen habt untereinander beharrliche Liebe; denn »Liebe deckt der Sünden Menge zu« (Sprüche 10,12).

Du sagst: Ja, aber die Schwester muss doch auch mal merken, dass das so nicht geht.

Ja, bete doch für sie und segne sie. Und wenn du frei bist von deinem Groll, dann kannst du auch hingehen und kannst sagen: Weißt du, ist dir das eigentlich bewusst – die Art und Weise wie du mich behandelt hast, hat mich sehr verletzt?

Und das kannst du tun. Und viele Male wird Gott sagen: Mach das, geh hin und öffne dein Herz und zeige, was das wirklich in dir bewirkt hat. Aber dann auf einmal sind wir wieder superfromm: „Nein, das hat ja überhaupt nichts in mir bewirkt, ich hab ihr vergeben“.

Ja, nix hast du. Du hast nur irgendwie ein Pflästerchen drüber geklebt und bei der nächsten Gelegenheit geht das Ding wie eine Bombe hoch. Der Zeitzünder tickt schon.

Wenn du ohne Groll bist, dann kannst du hingehen zu jemandem und Gott will viele Male, dass wir das tun. Und viele sind solche Einzelkämpfer und sagen: Ach, das mach ich irgendwie mit Gott ab.

Nein, Gott will deine Ehrlichkeit benutzen, den Bruder, die Schwester zu lehren.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 12 – Sanftmut und Demut (70:00 bis 75:00)

Es gibt eine andere Formulierung, die auch im Neuen Testament vorkommt, wo unsere Aufgabe beschrieben wird. Aber es ist inhaltlich genau dasselbe. Es wird dort an mehreren Stellen gesagt, wir sollen „unsere Seele erretten“.

1 Petr 1,9
wenn ihr das Endziel eures Glaubens davontragt, die Errettung der Seelen!

Wir sollen die Seele erretten. Und das ist eindeutig unsere Aufgabe: Die Rettung unserer Seele. Das ist, was wir tun sollen.

Und das bedeutet, wir sollen die Seele hineinführen in all das, was der Herr für uns hat. Und das ist zu allererst: Liebe.

Und Liebe geht immer zusammen mit Wahrheit. Wir können nicht Liebe erleben wenn wir uns in der Lüge bewegen. Wir können nicht sagen: Oh, ich bin so furchtbar, ich bin so schrecklich, ich bin unwürdig – und Liebe erleben. Das ist unmöglich. Und Gott will, dass wir unsere Gedanken ändern, dass wir eine neue Haltung einfach einnehmen.

Und eins ist mir wichtig: Dieser Prozess der Heiligung und der Änderung unseres Charakters, dieses Leben in der Wahrheit findet statt in einem Rahmen, den Gott verordnet hat und entweder wir erkennen das an oder wir werden es niemals erleben. Das ist total wichtig, dass wir das verstehen. Diese Segnungen, die ich jetzt so beschreibe, passieren nur in einem Leben in einer Gemeinde.

Nur! Nirgendwo sonst!

Wenn jemand aus Glaubensgründen für 20 Jahre im Gefängnis in Einzelhaft sitzt, das ist ein Fall für sich, dann gibt es spezielle Gnade.

Aber es ist das absolut normale und absolut notwendig, dass wir als Christen auf eine ganz bestimmte Art und Weise, die ich jetzt beschreiben will – deswegen heißt es auch hier „Verbindliches Leben in der Gemeinde – Gottes Weg zur Freiheit“. Über diesen Titel bin ich immer noch so begeistert, obwohl des schon sehr, sehr alt ist.

Dieses Leben in der Gemeinde ist ein Leben in der Verbindlichkeit. Du kannst es sehen: Am Anfang, als die Gemeinde geboren wurde zu Pfingsten, der Heilige Geist kam, 3000 Menschen haben den Herrn angenommen durch dieses Zeichen, durch das sie erschüttert wurden, dann die Verkündigung des Petrus. Und es ging ihnen durchs Herz.

Und dann heißt es: Sie wurden – nämlich diese 3000 – der Gemeinde hinzugetan.

Apg 2,41
Diejenigen, die nun bereitwillig sein Wort annahmen, ließen sich taufen, und es wurden an jenem Tag etwa 3 000 Seelen hinzugetan.

Christsein ist das Ende der Unabhängigkeit, auch auf der menschlichen Ebene. Und das heißt nicht, sie fingen an, sonntags in die Gemeinde zu gehen und ihr Gesicht dem Herrn Pfarrer zu zeigen.

Sondern die Gemeinde ist ein Organismus, eine Beziehung von Menschen, in die wir hineinkommen, und in dem wir dann drin sind. Ob wir auf der Arbeit sind morgen – wir sind immer noch in der Gemeinde, wenn wir wirklich in der Gemeinde sind.

Und wenn wir nicht morgen alleine am Arbeitsplatz in der Gemeinde sind, dann sind wir auch nicht am Sonntagmorgen in der Gemeinde.

Wir sind körperlich in einem Gemeindehaus anwesend, aber ich rede nicht von „Haus“. Ich rede von der Gemeinde, und die Gemeinde ist unsichtbar und besteht aus einem Geflecht von Beziehungen, in das Gott uns – wollen wir oder nicht – hineinpflanzt.

Wir sind alle zu einem Leibe getauft, sagt das Wort Gottes.

Wir werden in den Leib Christi hineingetauft.

1Kor 12,13
Denn wir sind ja alle durch einen Geist in einen Leib hinein getauft worden, ob wir Juden sind oder Griechen, Knechte oder Freie, und wir sind alle getränkt worden zu einem Geist.

Und hier ist der entscheidende Punkt, auf den es mir ankommt: Die Qualität unserer Beziehung zum Herrn ist erkennbar an der Qualität unserer Beziehungen untereinander. Das ist immer in derselben Dimension.

Die Bibel sagt: Wie kann einer sagen, er liebt Gott, und er hasst den Bruder?!

1Joh 4,20
Wenn jemand sagt: »Ich liebe Gott«, und hasst doch seinen Bruder, so ist er ein Lügner; denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, wie kann der Gott lieben, den er nicht sieht?

Er hat einen Fantasie-Jesus! Und es gibt sehr viele, die sind sehr begeisert, aber dann, wenn der Pastor sagt: Ich brauche Hilfe, wer kann kommen und kann hier Schwester Berta beim Gardine aufhängen helfen oder so? Fehlanzeige! Keiner meldet sich. Alle sind nur begeistert.

Ich sage dir: Es ist eine selbstgemachte religiöse eingebildete Begeisterung, die nichts mit wirklichem Leben im Geist zu tun hat. Nicht, dass dann natürlich alle 500 Leute kommen, um Schwester Berta zu helfen. Das könnte sie ja gar nicht – so viel Kuchen backen oder so. Aber – wenn da ein solches Anliegen ist und wir nicht bereit sind, etwas zu geben von unserer Zeit, von unserer Kraft, dann sind wir in einer dicken Täuschung.

Die Qualität meiner Hingabe zu Jesus wird sichtbar an der Qualität meiner Hingabe zu Menschen.

So, wenn wir wissen wollen, wie sehr lieben wir den Herrn wirklich? Dann lasst uns nicht nur auf die Lieder hören, die wir singen. Lasst uns schauen auf das, was wir tun. Dann wissen ganz genau, wo wir stehen.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 12 – Sanftmut und Demut (65:00 bis 70:00)

Ich bin der Taugenichts geworden – wie es auf diesem Aufkleber heißt, ja? Vor denen die Eltern uns gewarnt haben. So einer bin ich wirklich geworden. Weil ich das alles so in mir hineingenommen habe. Menschen werden abgelehnt und kriegen immer vermittelt: Du kannst nichts, du bist nichts, du hast nichts, aus dir wird nichts.

Und irgendwann sind sie groß – an Centimetern – und an Jahren, aber da drin ist immer noch der kleine Junge, der fühlt immer noch: Ich kann nichts, ich bin nichts, ich hab nichts, ich werd nichts.

Ist vielleicht dann irgendwie ein ehrgeiziger Bankdirektor oder irgendetwas anderes, aber da drin ist er immer noch der Kleine und er muss es der Welt zeigen. Und er kämpft und ringt und ist kalt und brutal und serviert alle ab, nur um irgendwie diesem zu entkommen.

Und andere haben sich da drunter gebeugt und sagen: Gut, wenn das die Erwartung ist, die meine Familie an mich hat, dann werde ich das erfüllen. Und sie geben ihr Bestes, ein Good-for-Nothing zu werden. Und ihr Leben ist ein Chaos und nichts funktioniert. Die Ehe funktioniert nichts und die Steuererklärung funktioniert nicht und alles geht kaputt und der Fluch klebt an allem, was man tut und das Leben ist einfach schrecklich.

Und Gott will uns heilen von Selbstablehnung. Und wir können nur lernen zu lieben wenn die Selbstablehnung zu Ende kommt. So lange Selbstablehnung, Selbsthass oder irgendwie „ich möchte gerne irgendwie jemand anders sein“ oder „meine Nase ist zu klein“ oder „meine Ohren sind zu groß oder stehen zu sehr ab und das ist der Grund, warum ich unglücklich bin“. Das ist totaler Unsinn.

Du kannst auch mit Segelohren glücklich sein, wenn du nur das alles ein bisschen lockerer nehmen würdest und sagen würdest: So hat Gott sich mir vorgestellt. Ein bisschen humorvoll und lustig, aber warum nicht. Offensichtlich muss es auch sowas wie mich geben.

Nicht die Segelohren sind schuld für das Unglück, sondern deine Meinung über die Segelohren: „Wie kann einer glücklich leben mit solchen Ohren?“ Das ist die Meinung dahinter. Und die kann man ändern.

Die Ohren kannst du nicht ändern. Na, könntest du auch, mit Schönheitsoperationen. Ob du danach glücklicher bist und nicht das Gefühl hast, sie liegen ein bisschen zu flach an, das ist vielleicht noch eine andere Frage.

Ich hatte mal ein junges Mädchen in der Seelsorge und sie sagt: Oh, ich bin so unglücklich. Ich sag: Warum? – Ich hab so einen Riesenpickel auf der Nase.

Ich sage: Wo?

Ich konnte ihn gar nicht sehen, aber sie war so unglücklich, weil so ein Riesenpickel auf der Nase war. Ich hab ihn überhaupt nicht entdeckt.

Nicht der Pickel hat sie unglücklich gemacht, sondern ihre Idee über den Pickel. Verstehst du?

Und so haben wir auch alle möglichen Ideen, die uns unterdrücken, die uns irgendwie denken lassen: Ich bin der größte Blödmann aller Zeiten.

Und wir lehnen uns ab. Und niemand kann glücklich leben, der sich ablehnt. Es ist nicht möglich.

Und du sagst: Um mich lieben zu können, müsste ich erstmal ganz anders sein.

Nein, umgekehrt: Liebe ist die Voraussetzung, dass du anders wirst.

Wenn du damit warten willst dich anzunehmen bis du anders bist, du wirst nie anders werden. Das kannst du vergessen. Und Schönheit, meine lieben Damen, kommt von innen.

Echte wahre Schönheit kommt von innen. Und ich habe Frauen gesehen, die nicht gerade ein Ausdruck von Schönheit waren, aber wenn die Kraft Gottes kommt, wenn sie anfangen, Liebe anzunehmen, wenn sie anfangen, sich lieben zu lassen, wenn sie anfangen, Achtung vor sich selber zu bekommen, dann auf einmal siehst du Veränderungen, dass du es kaum glauben kannst.

Das hat nichts mit „dick“ oder „dünn“ oder irgend so etwas zu tun, sondern das kommt von innen heraus. Das kommt von innen.

Und Gott will uns heilen. Und ohne Heilung von Selbstablehnung gibt es keine Liebe. Das ist unmöglich. Wir können nicht Menschen lieben wenn wir uns selbst nicht lieben können. Das ist nicht möglich.

So haben wir diese schwere Aufgabe: Wir sollen lernen uns selbst zu lieben.

Ist das nicht furchtbar, das Leben der Nachfolge? Wieviel Opfer wir bringen müssen! Wie schrecklich!

Das ist religiös! Wir müssen keine Opfer bringen, wir müssen Geschenke annehmen. Geschenke sollen wir annehmen und so werden wir freigesetzt. Und man könnte alles zusammenfassen, eigentlich die ganze Geschichte mit Befreiung, die ganze Geschichte mit Heiligung und Charakterveränderung, könnten wir zusammenfassen unter einen Punkt:

Liebesfähig werden.

Das ist eigentlich alles. Das ist der kleinste Nenner. Das ist, was die Schrift sagt:

1 Tim 1,5a
Die Hauptsumme aller Unterweisung ist Liebe.

Alle biblische Lehre, egal über was, soll letztenendes ein Ziel erreichen – und das ist Liebe.

Die Hauptsumme aller Unterweisung ist Liebe.

Gott will, dass wir zu Seiner Liebe kommen und durch Seine Liebe fähig werden, diese Liebe anderen zu geben. Das ist, was Gott will. Und Charakterveränderung und Heiligung passiert dann auf dem Wege.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 12 – Sanftmut und Demut (60:00 bis 65:00)

Sondern es muss zu einer echten Erfahrung kommen, die auch nicht nur ein Mal ist, sondern die einen Strom von Liebeserweisen einfach fließen lässt in unser Leben.

Geliebt sein macht willig.

Ich weiß nicht, wie das bei dir war, aber ich glaube, jeder hat irgendwie in seiner Sturm- und Drangzeit irgendwann mal eine Liebschaft gehabt und da hat er sich gefühlt, also, wenn’s drauf ankommt – ich gehe auch auf den Himalaya und ich pflücke das Alpenedelweiss oder irgendwie sowas. Man ist bereit alles zu tun. Ich hatte ein Mädchen gehabt, war mitten in der Schule, war 16 Jahre alt, und ich hab mir drei Tage von der Schule unter falschem Vorwand frei genommen – nicht, dass das lobenswert ist, wie gesagt, ich war ja kein Christ – und ohne Geld bin ich bis nach Rotterdam getrampt.

Und ich habe 1 1/2 Tage gebraucht und hab ein paar Stunden mein Mädchen gesehen, dann bin ich wieder zurück getrampt. Man macht alles. Würde man sich hinsetzen am Schreibtisch und sagen: Also, macht das Sinn? Anderthalb Tage unterwegs zu sein, sich an die Autobahn zu stellen wie ein Depp und zu warten, bis einer einen mitnimmt – nur um ein paar Stunden ein Mädchen zu sehen?

Das macht keinen Sinn! Aber Liebe rechnet nicht.

Und wenn Gott uns dient und wir seine Liebe erleben – Liebe macht uns willig – zu geben. Liebe macht uns willig zu dienen, selber zu investieren in das Reich Gottes, in das Leben von anderen Menschen, in das, was Gott uns einfach an Aufgaben gibt.

Wenn ich so von meinen Reisen zurückkommen wie jetzt diese hier, ich hab noch so eine stressige, anstrengende Reise gehabt und ich habe das Gefühl, ich brauche ein Jahr Urlaub wenn ich hier wieder ankomme – 12 Tage Zentralasien und ich war fix und fertig.

Fix und fertig! Und normalerweise man würde sagen, okay, vergessen wir’s. Nie wieder. Nie wieder. Hab mich noch zusammenschlagen lassen und alles mögliche hab ich da an komischen Dingen erlebt. Man würde menschlicherweise denken, okay, vergiss es, das war’s, nie wieder.

Aber ich bin zu Hause, tanke auf in der Liebe Gottes und sage: Gott, wann kann ich wieder fahren?

Das ist verrückt! Das ist verrückt!

Gott, wann erlaubst du mir wieder, diesen Dienst fortzusetzen?

Die Liebe macht uns willig und wir berechnen nicht. Und wir sagen nicht: Ja, aber was ist, wenn das nächste Mal dasselbe nochmal passiert? Man rechnet nicht.

Die Liebe Christi drängt uns, sagt Paulus.

2Kor 5,14a
Denn die Liebe des Christus drängt uns

Sie motiviert uns. Sie ist eine ungeheure Schubkraft. Und wir sind bereit, alles zu geben. Wir rechnen nicht.

Und das ist richtig. So lange wir rechnen müssen: Oh, kann ich jetzt wirklich dieses Geld geben? Kann ich das jetzt wirklich tun?

So lange – vergiss es – bist du nicht in der Liebe und du bist nicht frei. Du bringst irgendwelche Opfer und es schmerzt dich und dahin geht das Geld und du winkst ihm noch mit einem feuchten Auge hinterher. Und das hat alles nichts mit Liebe zu tun.

Sondern du ringst dir irgendwelche Opfer ab, weil du meinst, du müsstest opfern. Vergiss das alles.

Das sind tote Werke.

Erst kommt die Liebe Gottes, die uns dient. Und danach, ohne dass wir rechnen, ohne dass wir nachgedacht haben, einfach, wir tun etwas. Wir geben einfach.

Ich rede jetzt nicht nur unbedingt von Geld, aber es trifft genauso auch auf das Geben von Geld zu. Wir geben Zeit, Energie, Kraft, Aufmerksamkeit. Und wir können etwas tun, wir können uns wegschenken, weil wir bekommen haben von Gott. Wir können nur geben, was wir bekommen haben.

Und es ist die Liebe Gottes, die uns hilft einfach über all die alten Dinge der Selbstablehnung, der Selbstvorwürfe und der Selbstverachtung hinweg zu kommen.

Und Gott will uns heilen, dass wir Achtung haben vor uns selbst. Manche Leute verwechseln Selbstverachtung mit Demut.

Und das ist nicht göttlich. Gott will, dass wenn du am morgen dein Gesicht im Spiegel siehst, also nicht in der Zeitschrift „Spiegel“, sondern im Badezimmer, dass du dich freust darüber. Und es gibt Leute, die kriegen eine Krise wenn sie sich im Spiegel sehen.

Sie kriegen eine echte Krise.

Und Gott will uns freisetzen, sogar wenn du dich im „Stern“ siehst, sollst du immer noch gelassen bleiben. Hallelujah.

Und das bringt nur die Liebe fertig, die uns heilt von dieser Selbstablehnung. Wir sind vielleicht aufgewachsen in einer Atmosphäre von Geringschätzung, Anklage, Vorwürfe, Druck und negativen Erwartungen: „Du schaffst es nie“. Du bist ein – wie heißt es auf Englisch? „Good for Nothing“ – so hat’s mein Englischlehrer ausgedrückt. Der Französischlehrer hat’s auf Französisch gesagt, ich weiß leider den Ausdruck nicht mehr, ich war so schlecht in Französisch. Er hatte einen speziellen französischen Ausdruck. Und der Englischlehrer: „A young good-for-nothing“.

Also „gut für nix“ – kann man wörtlich übersetzen.

Und meine Oma hat es wieder anders gesagt. Und alle haben sehr große Erwartungen gehabt, dass aus mir ein totaler Versager wird. Und ich habe diese Erwartungen erfüllt mit bestem Wissen und Gewissen. Und als ich 21 war, mein Leben war ein Wrack. Ich habe es geschafft, da hin zu kommen, das zu erfüllen, was man von mir erwartet hatte.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 12 – Sanftmut und Demut (55:00 bis 60:00)

Anders herum ausgedrückt: Solange ich Angst habe vor Korrektur, empfindlich bin, bei jeder kleinen Frage, bei jedem Fragezeichen, das man so macht bei mir, an die Decke gehe – wie das „HB-Männchen“ oder empfindlich schmolle oder mich zurückziehe oder zurückschlage: „Ja, aber was du da gemacht hast, das ist ja noch viel schlimmer!“

Irgendwie so diese Reaktionen – so lange wir so reagieren, ist es ein sicheres Anzeichen dafür, dass wir tiefer hineinmüssen in Demut. Weil wir uns nämlich immer noch selbst verteidigen, weil wir in Selbstgerechtigkeit sind, weil wir immer noch diese verkehrte Verbindung in uns bestehen haben:

Fehler würden bedeuten, ich bin wenig oder weniger wert.

Deswegen darf ich keine Fehler haben und niemand darf sehen, dass ich Fehler habe – und überhaupt – ich habe eigentlich gar keine Fehler. Und wenn alle so vollkommen wären wie ich, dann wär die Welt schon das Paradies.

Und wir werden freigesetzt von diesen verkehrten Haltungen, so dass wir auch von Menschen Korrektur annehmen können. Und da beweist sich, was Demut ist. Korrektur annehmen können. Und nicht besserwisserisch sind, rechthaberisch sind und irgendwie unsere Meinung durchdrücken müssen.

Also Empfindlichkeit oder sich immer ganz schnell irgendwie abgelehnt fühlen, sind klare Beweise dafür, dass wir nicht in der Demut leben. So einfach ist das. Da können wir eine Checkliste haben: Wie reagiere ich? Und warum ist das so? Weil ich nicht gesichert bin, weil ich nicht das habe in mir, was Gott will, dass ich es habe, nämlich Seine Liebe.

Ich habs vorhin schon gesagt, ich will das noch mehr betonen: Eigentlich beginnt alles damit, dass wir uns dienen lassen von Gott.

Gehorsam, das ist ein starker Satz, den hätte ich vor drei Jahren nicht gebracht – Gott gehorsam werden, heißt, Ihm zu erlauben, mir zu dienen.

Das musst du dir mal auf der Zunge zergehen lassen.

Wir dachten: Jawohl, Opfer bringen, das macht nichts, wie schwer es mir fällt, aber ich werde nach Grönland gehen, auch wenn das für mich der größte Horror ist, und ich werde ehelos bleiben und ich werde dieses tun und ich werde diese Opfer bringen, ich werde alles machen, weil Gott ist mein Alles, und Er fordert es und es schmerzt mich total, aber ich gebe dieses Opfer und reisse mich irgendwie los von dem Schnöden, meine Videoanlage werde ich jetzt auch noch verkaufen – ich gebe alles für Gott.

Das ist Schrott, das ist religiös, das kannst du vergessen!

Gott hat keine Probleme, dass du eine Video- oder eine Stereoanlage hast oder irgendwas. Problematisch wird’s wenn die Stereoanlage dich hat.

Dann wird’s problematisch. Dann wird’s echt problematisch.

Gehorsam Gott gegenüber fängt damit an, dass ich Ihm erlaube, mir zu dienen.

Jede Veränderung in meinem Lebensstil, in meinem Charakter beginnt damit, dass Gott etwas neues tut an mir. Und es ist der pure Ungehorsam nur etwas zu hören und zu sagen: Jawohl, das werde ich tun und wir rennen los und wir tun es aus unserer eigenen Kraft.

Gott will, dass wir uns dienen lassen, dass Er unserer Seele dient, dass wir durch Erkennen und Glauben zur Erfahrung der Liebe kommen. Charakterveränderung kommt zustande durch Liebe oder sie kommt nicht zustande.

Charakterveränderung – es schreiben heute so wenig mit, ich sage solche starken Kernsätze, die werden dich noch dein Leben lang begleiten –

Charakterveränderung beginnt durch Liebe.

Ohne Liebe gibt es keine Charakterveränderung. Du kannst dann wie so eine Ratte bei Skinner irgendwie trainiert werden. Irgendwie an der richtigen Stelle dann auf das richtige Knöpfchen zu drücken oder irgend so etwas, aber das hat mit echter Charakterveränderung nichts zu tun. Du lernst nur religiöses Verhalten. Aber du lernst nicht wirklich von Herzen einfach in neue Freiheiten zu kommen. Und das will Gott. Und ohne Liebe, die wir fühlen, ihr Lieben, fühlen (!) – gibt es keine Charakterveränderung, keine Durchbrüche.

Und die Betonung liegt auf „fühlen“. Nur zu wissen, Gott hat die Welt geliebt … – das reicht einfach nicht aus.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 12 – Sanftmut und Demut (50:00 bis 55:00)

Okay, das sind die beiden Dinge, die Gott will, dass wir sie lernen: Sanftmut und Demut.

Und sozusagen Heilung, Befreiung von Einflüssen aus der Vergangenheit, sozialer Aufstieg, soziale Wiederherstellung, Liebesfähigkeit sind sozusagen unvermeidbare Abfallprodukte.

Nicht, dass ich das das gering schätze, ja? Heilung und Wiederherstellung. Aber wenn wir in diese Bereiche hineinkommen und wir lernen, was Sanftmut ist, und wir lernen, was Demut ist … das, was wir vorher suchten, die Befreiung, das kommt von ganz alleine.

Weil wir in die Wahrheit hineinkommen und wirklich in der Wahrheit leben. Und Jesus sagt:

Joh 8,32
und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen!

Die Wahrheit macht frei! Noch einmal: Nicht die vollmächtige Hand des Seelsorgers, wo du denkst, hoffentlich hat er genug gefastet, um alle Dämonen bei mir auszutreiben.

Manche Leute denken, oh, ich suche den vollmächtigen Seelsorger, der mit mächtiger Pranke dann irgendwie so seine Hände auf mich legt und dann die Worte des Herrn irgendwie spricht und dann irgendwie – simsalabim – natürlich nicht okkult, sondern „Hallelujah“ und irgendwie so auf einmal passiert es.

Das gibt es nicht!

Neulich hatte ich riesige Kopfschmerzen vor einer wichtigen Botschaft, die ich predigen sollte in einer Konferenz. Und ich hatte einen solchen Druck und spürte wirklich satanischen Widerstand und hatte Kopfschmerzen als wenn einer so eine Lanze in meinen Kopf reinsticht. Und da waren ein paar Leute vom Team und noch ein anderer russischer Bruder, und ich sage: Bitte betet für mich.

Und er war Bergarbeiter. Und er hat ein solche Pranke gehabt. Und er fasste mir auf den Kopf und mein Kopf augenblicklich in einem Schraubstock. Und ich hatte zwei Kopfschmerzen – den ursprünglichen plus den neuen, den er mir verpasst hatte. Und ich wünschte nur eines: Er würde schnell aufhören zu beten.

Und als er aufhörte zu beten, war ein Schmerz schon mal weg. Und ich hatte nur noch den ursprünglichen, das war schon ein Segen, ja.

Und wir denken manchmal: Oh, wenn nur einer richtig für uns betet und uns mal echt durchbetet …

Jesus ist unser Fürsprecher und er betet dich durch.

Aber es ist nicht nur seine Fürbitte, sondern es sind auch seine Anweisungen. Und er sagte: Junge, jetzt geh doch diesen Weg, ich zeig’s dir doch.

Es ist so einfach: Tu, was der Herr dir sagt.

Und wir suchen manchmal irgendwo ganz mystisch, seltsam und kompliziert den Willen Gottes. Und es ist einfach in unserem Herzen. Und Gott sagt: Jetzt hör endlich auf, so deine Frau zu behandeln. Gott sagt: Mal ganz ehrlich, wie beurteilst du diese Worte, die du gerade gesprochen hast zu deiner Frau?

Und wenn wir auf diese kleinen, zarten Hinweisen des Heiligen Geistes eingehen würden und mit ihm übereinstimmen würden, Sünde bekennen würden, d.h. sie zu nennen, wie er sie nennt. Das heisst „bekennen“ – „homologeo“: „genau so sagen wie er“.

Er sagt, es war einfach ungezügeltes Temperament, es war lieblos, es war verletzend. Und dann sag du nicht: Die hat’s mal gebraucht! Oder du sagst: Nein, nein, das war „heiliger Zorn“.

Ich sage dir: Bevor wir nicht von unserem Zorn befreit werden, werden wie nie von Gott gebraucht werden, heiligen Zorn Gottes zu demonstrieren gegenüber anderen. Niemals. Bevor wir da nicht freigesetzt sind, werden wir nicht verstehen, was heiliger Zorn ist.

Gott will, dass wir lernen, wahrhaftig zu sein. Und der Heilige Geist ist da und er gibt, wenn wir nur wollen, wenn wir nur ihm erlauben, wenn wir nur ihn fragen, er gibt seine Kommentare.

So, das nächste Mal, du fühlst dich irgendwie: Oh, irgendwie stimmt jetzt was nicht, irgendwie ist was daneben gelaufen, ich weiß nicht, was – frag den Heiligen Geist, und er ist da, und er sagt dir: Du, überleg mal, warum hast du diesen Witz gerissen, den du da gerissen hast?

Ich glaube, dass Gott sehr viel Humor hat und dass er nichts dagegen hat, dass wir Witze reissen, aber wenn Witze ein Mittel sind, Aufmerksamkeit zu erheischen. Und wir so mit unserem Kollektenbeutelchen rumrennen und die Reihe im Hauskreis oder sonst irgendwo abkassieren – überall ein bisschen Anerkennung – das ist nicht in Ordnung.

Sondern aus dem Überfluss dessen, was wir haben, gibt es mal Situationen, wir sind witzig. Das gibt es manchmal, glaubt mir das. Gott hat Humor, und das ist auch gar kein Problem. Das ist kein Problem.

Aber wenn Humor oder Witz oder irgendetwas ein Mittel ist, mit dem wir was erreichen wollen – das ist nicht in Ordnung. Das ist etwas, was Gott uns abgewöhnen möchte.

Und so ist der Heilige Geist da, und er gibt uns seine Kommentare und seine Hinweise und seine Hilfen. Und Demut heißt, ich bin belehrbar, ich lasse mir etwas sagen, ich bin nicht unantastbar, ich bin nicht unhinterfragbar und unfehlbar, sondern ich lasse mir etwas sagen. Und wenn diese Haltung da ist gegenüber Gott, dann interessanterweise wird auch diese Haltung gegenüber Menschen da sein.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 12 – Sanftmut und Demut (45:00 bis 50:00)

Deswegen – Heiligung, wie das die Bibel nennt – oder sagen wir „Charakterveränderung“, charakterliche Durchbrüche – ohne eine Beziehung zum Heiligen Geist ist erstens sehr krampfig und stressig, und zweitens gar nicht möglich.

Wirkliche Charakterveränderung ohne den Geist, der heiligt – wie er auch genannt wird, ist nicht möglich.

Röm 1,4
der eingesetzt ist als Sohn Gottes in Kraft nach dem Geist, der da heiligt, durch die Auferstehung von den Toten – Jesus Christus, unserm Herrn.

Weil wir es nämlich alleine tun und das ist dann der berühmte Münchhausen, der sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zieht.

Wir sind in der Unabhängigkeit und das lösen wir, indem wir uns aus der Unabhängigkeit befreien.

Und das funktioniert nicht.

Wir können nur aus der Unabhängigkeit herauskommen, indem wir wieder in die Abhängigkeit hineingehen. Wir kommen in die Abhängigkeit wieder hinein, und zwar nicht als Knechte, sondern weil das die Wahrheit ist, und weil wir Gott brauchen und Ihn bitter nötig haben und wir endlich dahinter kommen, das ist unsere wahre Position und das ist das wirkliche Glück: Wir sind Kinder Gottes und wir sind die Beschenkten.

Und wir lassen uns beschenken.

Eine wunderschöne Definition, die jetzt im Zuge dieser neuen Wirkungen des Heiligen Geistes uns klar geworden ist und die Gold wert ist für seelsorgerliche Maßnahmen und Ratschläge: Demut heißt, bereit zu sein, sich lieben zu lassen.

Da fällt dieser ganze Schmarn weg von schwächlich, kränklich und fast masochistisch den „unteren Weg gehen“, verzichten und sich was abkneifen und irgendwie sich heiligen. „Es kostet zwar viel, aber es muss sein, es macht uns unglücklich, aber Gott will es“.

Das ist alles religiöser Schmarn. Und das hat mit biblischer Heiligung überhaupt nichts zu tun. Und Gott wird das ganze Verständnis von was das eigentlich ist – Heiligung – total verändern. Und dieses Religiöse – wir werden in einigen Jahren zurückschauen und sagen: So etwas hat man früher geglaubt über Heiligung? Das ist ja nicht zu fassen!

Das ist ja nicht zu fassen! Das war erstens viel zu anstrengend, zweitens total unecht und es hat niemandem wirklich etwas gebracht.

Keinerlei echte Erweise von Gottes Segnungen.

Demut heißt, wir kommen in die Wahrheit zurück: Ich bin ganz schwach, ich bin ganz bedürftig.

Und das hat eine Kurve gebracht in meinem Leben. Früher wollte ich immer stark sein. Jetzt versuche ich so schwach wie möglich zu sein.

Weil ich schwach BIN! Und ich muss mich in die Wahrheit hineinbegeben und davon überzeugen, ich bin schwach und ich brauche Gottes Hilfe für alles mögliche! Für meine Arbeit, für all die Dinge des Alltags, für alles. Ich brauche die Hilfe Gottes. Und den starken Mann zu markieren – das ist eine einzige Lüge, das ist eine einzige Täuschung.

Und Gott will, dass wir anerkennen: Wir brauchen Ihn. Und wir sollen von Ihm uns dienen lassen. Noch einmal: Demut heißt, sich von Gott lieben lassen. Das ist Demut. Hallelujah.

Also nicht irgendwas, was wir opfern, irgendwas, was wir irgendwie tun und wo wir uns anstrengen, um uns irgendwie klein zu machen oder so etwas. Wir brauchen uns gar nicht klein zu machen, wir sind sehr klein. Wir müssen das nur erkennen.

Wir sind doch abhängig von Gott. Aber diese Abhängigkeit muss erkannt werden!

Abhängig von Gott sind wir alle – so lange du hier heute abend sitzt, ich schätze, keiner von euch hat sich hier vorgenommen, Achtung, ich muss drauf achten, alle 25 Sekunden einmal zu atmen.

Oder hat sich das jemand vorgenommen und peinlich auf die Uhr geguckt? Das tust du von ganz alleine. Warum? Weil Gott das in dir einfach wirkt. Du lebst, weil Gott will, dass du lebst. Und deswegen sorgt Gott dafür, selbst wenn es nicht in deinem Terminkalender steht, dass du atmest. Dass dein Herz schlägt. Du tust doch nichts dazu, dass dein Herz schlägt. Oder? Das macht es ganz von alleine. Aber nicht „es von alleine“ – denn schau mal an: Wenn einer stirbt, dann macht „es nicht mehr von alleine“. Warum? Weil das Leben aus ist. Weil das einfach der Zeitpunkt ist, wo hier Sense ist.

Gott wirkt in uns. Wir sind total abhängig, aber wir erkennen das nicht. Wir erkennen das nicht!

Und Gott will, dass wir in Abhängigkeit hineinkommen, dass wir unsere Abhängigkeit ausleben. Wir öffnen die Bibel und bevor wir wieder anfangen: Oh Mann, ich habe Abitur, ich habe studiert, ich werde das jetzt auch verstehen hier – begeben wir uns da auf ein ganz niedriges Niveau und sagen: „Herr, ich weiß eins, ich bin strohdumm, bitte lehre du mich. Komm, Heiliger Geist, lehre du mich. Ich will nicht vermessen sein und denken, ich kann dieses Buch hier irgendwie knacken und verstehen. Das ist mir alles viel zu hoch. Lehre du mich, was Leben ist. Lehre mich die Geheimnisse des Lebens“.

Und dann kommt der Heilige Geist und er zeigt uns Dinge aus der Schrift – die lernst du auf keiner Bibelschule.

Das kriegst du nirgendwo her. Aus erster Hand von Gott selbst, der dir einfach dient durch diesen wunderbaren Helfer, den er uns gegeben hat.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 12 – Sanftmut und Demut (40:00 bis 45:00)

Wir spüren das alle. Das ist irgendwie unerträglich.

Demut heißt, abhängig sein von Gott und in der Wahrheit leben und gelernt zu haben, alles, was wir brauchen von Ihm zu bekommen.

Und wir alle brauchen „geehrt zu werden“, wir brauchen „ermutigt zu werden“, wir brauchen es, getröstet zu werden, gestärkt zu werden und zu erleben, dass wir tatsächlich wertvoll sind.

Da zuckt jeder Religiöse zusammen und sagt: Nein, das darf doch nicht sein, dass wir fühlen sollen, wir sind wertvoll.

Doch, das will Gott. Gott will, dass wir es erleben, dass wir in seinen Augen, wie es auch in Jesaja heißt, wertgeachtet sind. Wir sind sehr, sehr wertgeachtet.

Jes 43,4a
Weil du teuer bist in meinen Augen und wertvoll bist und ich dich lieb habe

Und niemand kann wirklich lieben, der diese Erfahrung nicht macht und gemacht hat, dass er wertvoll ist. Es ist nicht möglich. Und wir werden gleich sehen, wie eigentlich das Ganze dann darauf hinausläuft, dass wir einfach geheilt werden zur Liebesfähigkeit.

Wir haben begonnen mit unseren eigenen Problemen, wir wollen frei werden von Einflüssen der Finsternis. Jetzt sind wir mittendrin in Charakterveränderung. Und das ganze geht einfach in Richtung: Wir werden liebesfähig.

Liebesfähig im Sinne von wir werden fähig, Liebe anzunehmen, und in dem Maße, wie wir fähig werden durch Gottes Güte, Liebe anzunehmen – in dem Maße werden wir fähig auch Liebe zu geben.

Und das hat sehr viel damit zu tun, dass wir in die Wahrheit kommen, dass wir beginnen, Gott zu vertrauen, dass wir Seine Liebe erkennen, dass wir Seine Liebe glauben.

1Joh 4,16
Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat.

Erkannt und geglaubt! Und nur durch Glauben können wir Erfahren. Also können wir sagen: Erkannt, geglaubt und deshalb erfahren.

So kommt Liebe Gottes zu uns. Und Gott fängt an uns zu sagen: Schau mal, da suchst du mit deinen klugen Bemerkungen, mit deinen Witzen, mit deinen Albernheiten, mit diesem und jenen – oder mit deinem besonders ernst sein – jeder hat so sein eigenes Ding irgendwie drauf, um Aufmerksamkeit, Anerkennung zu erheischen. Die einen müssen sich die Haare grün machen, um irgendwie aufzufallen und Anerkennung zu kriegen. Und die anderen müssen sich eben in den dezenten Nadelstreifenanzug hineintun und irgendwie besonders wichtig tun, mit dem Handy durch die Gegend fahren, obwohl sie gar keiner anruft.

Man hat herausgefunden, der Hauptgrund, warum die Handys sich sie verkaufen, ist der, dass das den Leuten das Gefühl gibt, dass sie besonders wichtig sind. Deswegen laufen die Handys so.

Denn weißt du, die, die überall erreichbar sein müssen, das sind doch gar nicht die dicken Chefs. Die großen Chefs können sich erlauben, für Tage von der Firma weg zu bleiben – die, die immer erreichbar sein müssen, das ist das Fußvolk. Aber das hat man gar nicht durchdacht. Es sieht so intelligent aus, man sitzt am Steuer und man hat das Handy da und dann redet man.

Es gibt sogar einen Telefondienst, da kannst du Geld bezahlen und bestellen, dass die dich anrufen. Das gibt es! Also, du setzt dich in die Bahnhofsvorhalle mit deinem Diplomantenköfferchen, setzt dich da in Pose und weißt, aha, jetzt ist es 8:34 Uhr, um 8:36 Uhr ruft mich jemand an. Du kannst da sogar einen Auslandsanruf bestellen. Du hast dann gerade irgendwie deinen Geschäftspartner oder deine Freundin dabei – und dann: „Hallo, hier ist Taiwan“. Und dann kriegst du da einen echten Anruf aus Taiwan. Und dann können noch ein paar Anrufe ankommen und deine Freundin denkt: Wow, der hat ja wirklich Geschäfte zu laufen, internationale Connections! Wow! Also entweder Drogenkartell oder Schiebereien oder irgendwie das ganz dicke Geschäft. Wow.

So ein Affenzirkus läuft ab in unserer Gesellschaft. Das sollte man nicht denken, aber das ist Tatsache. Das sind nicht Dinge, die ich mir jetzt ausdenke oder so, um diesen Punkt zu illustrieren: Leute sind bereit viel Geld zu bezahlen, nur um wichtig zu erscheinen. Das ist tatsächlich so.

Und vielleicht auf einer nicht so kostspieligen Art und Weise haben wir auch so unsere Arten und Weisen, um anderen zu signalisieren, wir sind doch wichtig. Erkennt das doch mal an! Sieh das doch, wie wichtig ich bin.

Und Gott, dass wir diese Mätzchen bei uns durchschauen und dass wir sagen, das ist doch affig, das brauche ich doch nicht. Ich bekomme doch Liebe gratis frei Haus so viel ich möchte. Und wenn ich einen Mangel habe an Wertgefühl, Er füllt das doch gerne aus, dazu wohnt doch der Tröster in mir! Nicht mal ein Ferngespräch oder eine Postkarte brauche ich zu schicken, sondern das ist da! Ein Freund liebt zu jeder Zeit.

Spr 17,17a
Ein Freund liebt zu jeder Zeit

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 12 – Sanftmut und Demut (35:00 bis 40:00)

Man schleicht auf Zehenspitzen und man – also das war irgendwie eine solche unechte religiöse Atmosphäre da. Und ein solcher Armseligkeits-Geist irgendwie dort. Oh, es war unerträglich.

Und das ist nicht Demut. „Entschuldige, dass ich überhaupt existiere“ oder „Entschuldigung, natürlich verzichte ich bereitwillig schnell und ganz auf meine Meinung“. Das ist nicht Demut. Der Demütige hat eine Meinung und er kann sie mit Sanftmut vertreten.

Er muss nicht pushen, er muss nicht manipulieren, den anderen eins überbraten, aber er hat eine Meinung, und die kann ihm auch niemand nehmen. Und er hat auch keine Angst davor, seine Meinung zu sagen: Demut führt dazu, dass wir angstfrei werden.

Wir haben keine Angst vor Menschen, weil wir in Abhängigkeit sind von Gott und weil wir für Ihn leben und nicht leben, um Menschen zu gefallen.

Wirkliche Freiheit ist in Demut enthalten. Und Gott will, dass wir wirklich in die Wahrheit hineinkommen, dass wir eine sehr realistische Einschätzung davon haben, wer wir sind, was wir können, was wir nicht können. Und wie sehr wir die anderen brauchen. Gott hat das sehr geschickt gemacht: Er hat die Gaben in der Gemeinde sehr breit gestreut und niemand kann sagen, ich brauche die anderen nicht – und ich habe das alles selber. Niemand kann das sagen.

Wir brauchen einander. Und wenn einer in dieser Insel- oder Bunkermentalität lebt, wo er sagt, alles, was er braucht, um Gott zu dienen, hat er selbst – dann ist er in großem Irrtum. Und Gott wird ihm die Augen öffnen, wie bedürftig er ist. Wir sind bedürftig und wir brauchen einander. Und nur der Demütige bringt es fertig, den Wert in den anderen zu sehen. Und er kann den anderen höher achten als sich selbst. Und er kann Dinge tun, die es normalerweise in dieser Welt nicht gibt. Er kann seine Kraft und seine Fantasie und etwas gebrauchen, den anderen hoch zu heben, den anderen zu Ehren kommen zu lassen.

In der Welt läuft es genau anders herum: Man nimmt alle Kraft, alle Energie, alle Fantasie den anderen möglichst irgendwie nach unten zu drücken, damit man selber erhöht wird. Das ist das Prinzip der Welt: Sich zu erhöhen und die anderen niedrig zu machen. Das ist der Sinn von Spott. Den anderen fertig zu machen, damit die möglichst blöd da stehen und wir dann im Gegensatz zu ihnen dann eben als sehr clever und überlegen scheinen. Und das Problem ist, dass das Lust abwirft – zwar nicht sehr viel, deswegen muss man sehr viel solche blödsinnigen Dinge tun – aber Sünde wirft Lust ab.

Und deswegen tun wir diese Dinge.

Und der Demütige kann sich etwas erlauben, was niemand anderes sonst kann: Er kann andere hoch heben. Und das ist, was Gott tut. Gott kommt herab und Er hebt den Geringen, so sagt es Psalm 113,7 – aus dem Staub.

Ps 113,7a
der den Geringen aufrichtet aus dem Staub

Das ist, was Gott tut. Und wenn wir das erfahren, dass wir von Gott geehrt werden, hochgehoben werden, dann wird Gott uns zeigen, wie wir andere hochheben können.

Nur wenn du die Ehrung von Gott erlebt hast, kannst du in wirklicher unreligiöser, unkitschiger Weise beginnen, andere hochzuheben. Sonst wirst du das niemals schaffen und du wirst die anderen immer als deine Plattform benutzen, als deine Bühne, um dich selber darzustellen.

Und das ist etwas so schreckliches, was uns allen sofort auffällt und wir nicht ertragen können. So sehr wir uns bemühen. Wenn im Hauskreis einer diese Situation benutzt, um mit irgendwelchen Scheinerfahrungen und Berichten und Einsichten in neue Dinge dort irgendwie allen zeigen will, wie geistlich und wie fortgeschritten er schon ist. Stimmts? Wir können das alle nicht ertragen! Wir sagen: Herr, stoppe diese Schwester, ich kann es nicht ertragen. Ich will sie liebhaben, aber stoppe sie!

Es ist so furchtbar, weil wir spüren, es wird Gott die Ehre weggenommen. Und stattdesssen schmückt man sich selber wie so einen Tannenbaum mit allem möglichen Glitzerzeugs und irgendwie und lässt sich bestaunen und bewundern und funkelt da vor allen: „Ja, schaut doch mal, wie weit ich schon fortgeschritten bin“.

Das ist für uns unerträglich. Wir spüren das in uns, das ist nicht echt. Das ist nicht richtig. Jemand nimmt dort die Ehre, die Gott gebührt.

Wenn wir Fortschritte haben und wenn wir Veränderungen gemacht haben in unserem Leben, dann weswegen? Weil Gott gut ist, weil Gott gnädig ist und weil Gott in uns gewirkt hat. Nicht, weil wir so clever sind, so viel gebetet haben oder so viel gefastet haben oder so viele Kapitel in der Bibel gelesen haben.

Wenn Gott etwas getan hat in uns, dann deswegen, weil Gott gut ist. Aus keinem anderen Grunde. Und wir werden Ihm die Ehre dafür geben. Aber der Nicht-Demütige will sich erhöhen, will sich die Ehre geben, will sich groß machen. Und das stinkt uns.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 12 – Sanftmut und Demut (30:00 bis 35:00)

Und wir müssen uns nur hüten vor der Verzweiflung, wo wir gefallen sind und dann so enttäuscht sind über uns, dass wir, die wir doch schon so geistlich stark waren, jetzt wieder gefallen sind und jetzt bleiben wir vor lauter Schmollen und Enttäuschung über uns liegen – und wir sind nur noch verzweifelt und sagen: Ach, es hat doch keinen Zweck – oder: was ich so oft höre dann, wenn ich mit jemandem mal so ein Programm durchgehe, wie er so wirklich Grund bekommt in sein Leben. Und ich sehe, er macht echte Schritte und die Freude des Herrn kommt und er geht siegreich nach vorne und dann irgendwann ist er wieder ganz niedergeschlagen: „Es funktioniert alles nicht“.

Ich sage: Was funktioniert nicht? So lange du getan hast, was die biblischen Anweisungen waren, hat es prächtig funktioniert, ich hab dich gesehen – im Hauskreis, in der Gemeinde, in der Arbeitsgruppe. Ich hab dich gesehen, es ging gut, Gott war mit dir und der Segen des Herrn war da.

– „Es geht alles nicht!“

Ich sage: Weißt du was? Du bist gefallen und du bist einfach zu stolz, zuzugeben, dass du gefallen bist! Steh wieder auf! Der Gerechte fällt sieben mal und steht wieder auf!

Spr 24,16a
Denn der Gerechte fällt siebenmal und steht wieder auf

So lange du die Schritte gegangen bist, ging es. Also wenn du jetzt wieder aufstehst, es wird wieder gehen! Es wird wieder gehen.

Die Dinge, die Gott will, dass wir sie tun, sind so einfach, so simpel, dass wir manchmal geneigt sind, daran vorbeizugehen. Wir suchen irgendwie die großen Lösungen, die irgendwie am besten mit einem einzigen Gebet so kompakt vom Himmel plumpsen und denken, das ist es.

Aber das, was uns aufgegeben wurde oder was von uns erwartet wird, erfordert Ausdauer.

Und Gott will, dass wir den langen Atem haben und dass wir sagen: Ein Charakter wird nicht an einem Tag verdorben und ein Charakter wird auch nicht an einem Tag erneuert.

Was ist Charakter? Charakter ist eine Serie von bestimmten Denkweisen und Einstellungen – und das haben wir trainiert mit viel Fleiss, Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr – und jetzt denken wir, dass in einem Augenblick alles anders ist. Erlösung ist, wir haben die Kraft Gottes in uns, unsere Gedanken zu verändern und dann die Herzenshaltungen zu entdecken und auch die zu verändern – und dann unser Herz zu bewahren. Das ist Erlösung. Und das geht schrittweise.

Und wir sollen nicht frustriert sein und sagen: Ohhh, da kommen wir ja nie an ein Ende.

Darum geht es nicht. Es geht darum, dass du weitergehst, dass du Schritt für Schritt deine Dinge einfach tust, die der Herr will.

Im Nachfolgen und im Gehorsam einfach, darin liegt der Segen. Ich weiß nicht, ob du auch so wie ich als ich neu bekehrt war, kam dann so in christliche Kreise und habe so in Würde ergraute ältere Brüder gesehen, die mir so als leuchtendes Vorbild vorgestellt wurden – und ich war so erschrocken. Und mein Gebet war: „Herr, es darf auf keinen Fall sein, wenn ich 40-50 Jahre mit dir gegangen bin, dass ich dann so ein Abziehbild von Mann geworden bin. Das darf nicht sein, das wäre furchtbar! Das kann ich mir nicht vorstellen, dass das wirkliche Heiligkeit bedeutet, so schwach und so wenig männlich irgendwie zu sein, das kann nicht sein, Herr, bewahre mich!“

Es war wirklich ein Problem. Und das sind dann die lieben Brüder, die sagen: Junge, ich steh seit 50 Jahren in der Nachfolge.

Genau das ist das Problem: Wir sollen gehen, wir sollen nicht stehen. Wir sollen mit Jesus gehen. Schritt für Schritt. Wir sollen nicht stehen, sondern mit ihm zusammen gehen. Nachfolge. Er geht voran, wir folgen. Das ist ein Widerspruch in sich: „Zu stehen in der Nachfolge“. Das ist das Problem.

Ich weiß nicht, ob ihr das mal kennengelernt habt. Da hab’s auch nicht viel Lehre und erst dachte ich: Naja, die müssen es ja wissen.

Und in mir sagte alles: Nimm es nicht an, nimm es nicht an! Glaub es nicht.

Das war ein Problem.

Okay, Sanftmut und Demut – das sind die beiden Dinge. Und „demütig“ muss ich auch noch ein bisschen mehr erklären. Demütig bedeutet nicht, wir haben keine Meinung und wir laufen immer mit gesenktem Kopf umher und sagen: Bitte, ich bin der Fußabtreter der Nation oder wenigstens von meiner Arbeitsstelle oder hackt nur alle auf mir herum, ich bin Christ, mit mir könnt ihr es machen. Und wenn du mir eine klebst, dann halte ich dir auch noch die andere Wange hin.

Demütig sein heißt in der Wahrheit zu leben, heißt abhängig zu sein vom Herrn, von der Wahrheit.

Wenn Demut nicht zur Freude führt und zu einem gesunden Selbstwertgefühl, dann ist es keine Demut, dann ist es eine selbstgemachte, menschliche Demut, wovon es in Hülle und Fülle negative Vorbilder gibt. Gott will nicht, dass wir religiös werden. Gott ist nicht religiös – Hallelujah! Und er möchte nicht, dass wir religiös werden. Er möchte nicht, dass wir diese falsche Bescheidenheit entwickeln.

Ich war mal in solchen Familien, ich erinnere mich jetzt gerade an eine Situation. Es war eine solche Beklommenheit: Man fühlte sich so wie: Entschuldigung, dass ich hier wage zu atmen. Lieber Bruder, entschuldige bitte, vergib mir, würdest du mir vielleicht bitte den Zucker rüberreichen.

Du kriegst totale Probleme und denkst: „Mein lieber Mann, ich muss ja noch viel lernen“, hab ich gedacht.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 12 – Sanftmut und Demut (25:00 bis 30:00)

Und der geht so lange wie hier wandeln auf der Erde – wir wachsen und wir lernen immer weiter, wir kommen nie an den Punkt. Wenn du sagst: „Oh, ich hab alles schon gelernt, es gibt nichts mehr, was die mir hier beibringen können, ich brauche nicht mehr in die Gottesdienste zu gehen, weil ich kenne schon alles“. Ich sage dir: Du hast ein Problem.

Ein ganz ernstes.

So lange wir hier sind, wir werden immer lernen, wir sind die Lernenden. Und je mehr du glaubst, du weißt schon alles, um so weniger weißt du.

Ich habe noch nie dieses Bewusstsein so intensiv gehabt wie meinetwegen in den letzten Monaten meines Lebens, dass ich fast nichts begriffen habe, dass ich fast nichts weiß – ich gehe jetzt 20 Jahre mit dem Herrn. Früher habe ich gedacht, ich weiß schon eine Menge. Und jetzt komme ich dahinter, ich weiß fast gar nichts. Und das, was ich weiß, auch nur so bruchstückhaft, dass ich denke: Mein lieber Mann, jetzt muss aber wirklich noch einiges passiert. Das sagt auch meine Frage – und es passiert auch, es kommt. Es kommt!

Gott ist geduldig und wir wachsen und wir lernen von Ihm. Wir lernen. Wir gehen wieder in die Schule. Denke nicht, das ganze Ding ist zuende wenn du das „Grundlagenseminar“ absolviert hast. Da hast du nur in den Lehrplan einmal hineingeschaut.

Du kannst an der Uni einen Studienkurs, da kannst du den Studienführer mal durchblättern. Das heißt noch nicht, wenn du ihn durchgeblättert hast, dass du das Hochschulstudium absolviert hast. Und was wir hier tun, wir blättern nur durch den Studienführer, aber danach heißt es: Studieren. Und zwar nicht 10 Semester, sondern wirklich Jahrzehnte bis der Herr wiederkommt.

Womit ich nicht sagen will, dass in 10 Jahren du noch an denselben oberflächlichen Charakter-Problemen arbeiten wirst wie du das vielleicht tun musst. Du wirst gewaltige Fortschritte machen in 10 Jahren, aber nachdem du diese Dinge, die du jetzt siehst, bewältigt hast, wird Gott dir weitere Feinheiten zeigen. Gott ist dabei, und Er weiß noch einige Dinge, die werden dich überraschen.

Er ist nicht überrascht. Er hat es schon gewusst, als Er dich angenommen hat, als du dich bekehrt hast. Wir sind manchmal total geschockt wenn der Heilige Geist so lieb wie möglich und so in Zeitlupentempo wie möglich irgendwelche Abgründe von negativen Einstellungen und Haltungen und Selbstsucht und Selbstgerechtigkeit – uns solche Dinge zu zeigen – wir sind total geschockt und wir denken: Huch, Hilfe, hoffentlich hat’s der Herr noch nicht entdeckt.

Was wird passieren? Wird Er mich noch lieben?

Und Gott muss immer sehen, dass unser Glaube an Seine Liebe schritt hält mit den Entdeckungen, die Er uns machen lässt über uns selbst. Wir müssen immer in der Balance bleiben. Und überhaupt ist die große Regel im Worte Gottes nie die: Wenn du was lernen willst über dich selbst, schau in dich hinein – auf gar keinen Fall, das ist strengstens verboten.

Heb 12,2 sagt: auf ihn wegsehen! Wegsehen auf Jesus! Weg von was? Von uns!

Ich war einmal ein ganz junger Christ, kann mich noch erinnern, und ich hab in einer Versammlung einen starken Mann Gottes gesehen und er hat etwas gesagt, und er ging Jahrzehnte schon mit dem Herrn und im Heiligen Geist, und es hat mich total verblüfft: Er sagte: Also immer wenn ich nicht mehr auf Jesus sehe, wenn ich anfange auf mich selber zu sehen, dann werde ich sehr ungesegnet.

Ich dachte: Was? Wie kann der das sagen? Ein solcher Mann Gottes? Und er sagt, wenn er auf sich selber sieht, dann ist der Segen zu ende?

Und erst viel später hab ich verstanden: Was wir haben an Freiheit, an Erlösung, haben wir alles im Glauben. Und das heißt in Hingabe und in Einheit mit Christus. Und wenn wir das verlassen und wieder in eigene Ressourcen irgendwie investieren oder daraus nehmen, sind wir wieder alleine und wir werden fürchterlich fallen.

Egal wie weit du gekommen bist im Glaubensleben, es ist nicht etwas, was du getrennt von Gott in die Tasche steckst und du hast es und dann ziehst du deine Wege.

Sondern die Erlösung, auch die charakterlichen Durchbrüche, sind immer, auch wenn sie noch so real sind, in Abhängigkeit von einem Leben unter seiner Herrschaft. Und wenn wir da herausgehen, dann können wir innerhalb von wenigen Wochen zuschauen – manchmal geht’s noch schneller – wie die alten Klamotten alle wieder zurückkommen.

Diese Gemeinschaft zu verlieren mit dem Herrn heißt: Die alten Sachen, von denen wir schon befreit gewesen waren, werden wieder zurückkommen, weil es keine Heilung hier auf Erden gibt, keine Heiligung, kein Neu-werden unserer Persönlichkeit getrennt von Ihm. Nur in Abhängigkeit von Ihm.

Und das alles ist „too much“ als dass man das in Kürze lernen könnte und wir brauchen Zeit und die gesteht der Herr uns auch ein. Wir können lernen.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 12 – Sanftmut und Demut (20:00 bis 25:00)

Jer 17 sagt: Verflucht ist, wer sich auf Menschen verlässt.

Jer 17,5
So spricht der HERR: Verflucht ist der Mann, der auf Menschen vertraut und Fleisch zu seinem Arm macht, und dessen Herz vom HERRN weicht!

Verflucht ist, wer sich auf Menschen verlässt!

Warum? Weil es eine Form von Götzendienst ist, weil wir damit letztenendes Menschen zu dem machen oder ihnen die Position geben, die nur der Herr in unserem Leben haben kann. Nur der Herr kann in unserem Leben die Position haben, dass Er uns tröstet, dass Er uns hilft, dass Er für uns ist, dass Er uns liebt, aufbaut, ermutigt. Und das ist einer der großen seelsorgerlichen Probleme, dass Menschen sich selbst im Wege stehen und blockieren, weil sie diese Verhaltensweisen und diese Haltung, die dahinter steht, noch nicht durchschaut haben bei sich selbst – und deswegen nicht abgelegt haben.

Wir können ja nur die Dinge bei uns ablegen und verändern, wo wir tatsächlich vom Heiligen Geist etwas sehen.

Deswegen habe ich vorher so intensiv über das Wort Gottes gesprochen, das erst einmal Licht bringt.

Heb 4,12 noch einmal: Es ist ein lebendiges, scharfes Ding, das Wort Gottes. Und es ist ein Richter, es dringt durch, trennt Seele und Geist und es ist ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens.

Und was für ein herrlicher Tag, wenn jemand erkennt: Ich habe bis jetzt immer von Menschen geholt.

Erkennbar daran, jetzt verstehe ich es: Wenn sie mal nicht so lieb waren zu mir wie sie sein sollten, bin ich ein tiefes Loch der Depression gefallen oder bin wütend geworden und habe sie gezwungen und manipuliert, doch wieder lieb zu sein. Wenn das Licht des Wortes Gottes kommt, fangen wir an, Dinge zu erkennen, die sind unbezahlbar!

Weil nur wenn wir das sehen, können wir uns verändern, sonst kann man sich den Mund fusselig beten. Und andere Leute können versuchen uns zu helfen: Ja, begreifst du es denn nicht, was bei dir los ist?!

Nein, wir begreifen nicht. Erst wenn das Licht kommt.

Denn das ist ja das Vertrakte und die Bibel redet vom „Betrug der Sünde“.

Hebr 3,13
Ermahnt einander vielmehr jeden Tag, solange es »Heute« heißt, damit nicht jemand unter euch verstockt wird durch den Betrug der Sünde!

Die Sünde täuscht uns und betrügt uns und wir können mitten in der Unabhängigkeit sein, mitten im Götzendienst und wir sehen es gar nicht! Und wir würden mit dem treuesten Augenaufschlag sagen: Aber Pastor, Götzendienst – ich doch nicht. Ich bin doch Christ, ich gehör doch zu Gemeinde, ich bete sogar in neuen Zungen, ich war sogar im Grundlagenseminar!

Kol 3 sagt: Habsucht ist Götzendienst.

Kol 3,5
Tötet daher eure Glieder, die auf Erden sind: Unzucht, Unreinheit, Leidenschaft, böse Lust und die Habsucht, die Götzendienst ist

Wir müssen mal eine andere biblische Denkweise annehmen und das biblische Raster übernehmen. Wir denken, Götzendienst ist: Wir gehen nach Indien oder in Thailand in Urlaub und dann knien wir uns vor dem Buddha nieder in der Hoffnung, wir kriegen da auch noch irgendwie einen Segen ab. Und dann würden wir denken: Das ist ja primitiv, das ist ja heidnisch, das ist ja Götzendienst.

Habsucht ist Götzendienst!

Und was ist Habsucht? Da sind wir gut dran als Deutsche, das Wort erklärt sich selbst: Es ist die Sucht, etwas haben zu wollen.

Hab-Sucht ist Götzendienst.

Da merken wir, wir müssen erstmal ganz anders denken, wir müssen erstmal all diese biblischen Maßstäbe übernehmen. Und deswegen habe ich das so stark herausgestellt: Gottes Wort ist die Wahrheit. Und wir haben schon die Entscheidung getroffen: Wenn Gott irgendetwas irgendwie nennt, ich werde es übernehmen, auch wenn es mir nicht passt.

Und wenn Er sagt: Habsucht ist Götzendienst – dann habe ich vorher schon die Entscheidung getroffen, wenn es in der Bibel steht, dann übernehme ich es.

Und so können wir beginnen, verborgene Haltungen, die Gott schrittweise offenbart, zu erkennen, zu richten bei uns selbst, abzulegen und eine neue Haltung anzunehmen und dann zu lernen in dieser Haltung zu bleiben. Mit manchen Rückfällen, aber Gott ist geduldig und Gott arbeitet mit langem Atem bei uns, und wir sollen auch geduldig sein.

Spr 24,16a
Denn der Gerechte fällt siebenmal und steht wieder auf

Wie kannst du erwarten, wenn du 30 Jahre lang dein Vertrauen auf Menschen gesetzt hast, in einem Tag das beenden zu wollen? Das ist unmöglich. Das ist unmöglich! Du kannst nicht 30 Jahre lang mit rechts schreiben und von einem Tag auf den anderen schreibst du mit derselben Perfektion mit links. Das geht nicht. Du musst lange trainieren bis du das kannst.

Und so müssen wir eine Reihe von Dingen verlernen. Und es geht ja hier um den Lebensstil. Und ein Lebensstil wird nicht von einem Tag auf den anderen zur Perfektion eingeübt, sondern es ist wirklich ein Üben, ein Trainieren. Und ich weiß nicht, wie du dich empfindest, aber seit meiner Bekehrung bin ich in einer Art Psychotherapie.

Nicht, dass ich hier oben ’ne Knäcke hätte oder so – das ist schon einigermaßen geheilt. Aber eben doch, dass es eine Heilung meiner Seele und meiner Persönlichkeit gibt, die schrittweise voranschreitet.

Für diese Therapie zahle ich keinen Pfennig, macht auch noch Spaß, und ich bin echt motiviert, den Kurs zuende zu machen.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 12 – Sanftmut und Demut (15:00 bis 20:00)

Und Sanftmut heißt, man kann locker bleiben. Man kann nachgeben. Auch da, wenn man weiß, man hat recht und der andere ist im Unrecht. Weil Gott streitet, Gott ist unser Rächer, Gott arbeitet und Gott bringt die Sache heraus. Und Gott wird ans Licht bringen, was richtig ist. Und wir müssen uns nicht aufplustern, wenn einer uns verkehrt versteht. Wir müssen nicht alles mögliche tun, um ja nicht missverstanden zu werden, und tausend Mal rückversichern. Und wenn einer irgendwie uns verkehrt versteht, dann aber sofort schnellstens klar machen, dass wir hier gründlich missverstanden wurden.

Wir müssen nicht für uns selbst kämpfen. Weil wir wissen: Er kämpft für uns.

Das verstehe ich unter Sanftmut. Wir können ruhen in Gott. Das heißt nicht, dass wir nicht mal energisch irgendwelche Dinge anpacken, aber wir packen sie nicht an, um uns durchzusetzen, sondern die Kraft Gottes ist da und Gott sagt: Hier muss etwas energisches geschehen.

Und das ist ein Lebensstil, den kann sich nur der erlauben, der verstanden hat: Gott ist mein Partner und Er sorgt für mich, Er sorgt dafür, dass ich nicht zu kurz komme, Er sorgt dafür, dass ich nicht irgendwie abseits bin und dass andere über mich herfallen oder mich ausnutzen oder irgendetwas.

Manche Leute denken, Christsein bedeutet, man muss sich ausnutzen lassen. Nein! Christsein bedeutet, den Willen Gottes zu tun. Und wenn wir manchmal von irgendwelchen Leuten gebeten werden, etwas zu tun, dann reagieren wir nicht auf jede Not, sondern wenn Gott sagt: „Nein, du bist nicht dran“ – dann haben wir allen Mut und alle Freiheit zu sagen: Du, das Anliegen ist wichtig, aber ich kann es nicht übernehmen. Ich kann’s einfach nicht.

Ich erlebe das andauernd, dass irgendwelche Leute, besonders auf den Reisen, kommen und sagen: Versprich mir, dass du jeden Tag fünf Minuten für mich betest.

Ich sage: Tut mir leid, du brauchst wahrscheinlich diese fünf Minuten jeden Tag Gebet, aber ich kann sie dir nicht geben. Wenn der Heilige Geist mich erinnert, will ich für dich beten. Aber ich muss meine Gebetszeiten so gestalten wie Gott mich führt, und ich kann nicht versprechen, dass ich für dich bete. Ich bin außerdem nicht dein Pastor. Du hast einen eigenen Pastor zu Hause und wenn du Nöte hast, dann suche Fürbitte von deinen Geschwistern dort.

Und ich bekomme manchmal sehr seltsame Bitten und Fragen, wo ich alles mögliche tun soll für Leute – und der Herr sagt mir: Nein, lass das sein.

Und ich sage: Nein, ich kann das nicht tun, tut mir leid.

Und ich bin nicht verantwortlich, wenn dann jemand enttäuscht ist und geknickt ist und irgendwie dann das große Schmollen kriegt oder irgendetwas. Sondern ich muss tun, genauso wie du auch, was Gott sagt – und nicht was Menschen sagen.

Ich find das so schön, was Paulus sagt: Wir wollen der Diener von allen sein, aber niemandens Sklave.

Und wenn wir immer unsere gute Meinung irgendwie hoch halten wollen von uns, wenn wir immer darauf bedacht sein wollen, dass andere uns im guten Ansinnen haben – und jedes Stäubchen und jedes Kratzerchen muss irgendwie von uns fern bleiben. Und wir kämpfen immer nur da rum, dass alle uns irgendwie respektieren und anerkennen usw. – dann sind wir mitten im Lebensstil der Unabhängigkeit, der eigenen Hilfe, des eigenen Schutzes, der eigenen Kraft und unsere Worte der Hingabe an Jesus – das ist alles nur Makulatur, das sind nur leere Worte und das ist noch lange nicht gefüllt mit Substanz.

Gott will, dass wir Ihm vertrauen. Er ist unser Schutz, Er ist unsere Hilfe, Er ist mit uns, und Er wird für uns sorgen. Deswegen können wir uns Dinge erlauben, die normalerweise in der Welt nicht gehen. Wir können uns erlauben, total ehrlich zu sein. Wir können uns erlauben, total ehrlich zu sein.

Und wir brauchen keine Angst zu haben, dass Leute das missbrauchen und dass sie irgendwie über uns herfallen und uns ausnutzen deswegen – Gott schützt uns.

Und dieser Lebensstil der Sanftmut, das ist etwas ganz, ganz wunderbares: Wir können Diener werden ohne dass wir ausgenutzt werden.

Das ist ganz, ganz wichtig. In der Welt – Menschen versuchen zu investieren und zu geben, zu helfen, zu dienen, aber nur, um wieder zurückzubekommen. Und früher oder später kommt die Enttäuschung, weil nicht das zurückkommt, was man haben will. Und dann kommen die Vorwürfe, und dann kehrt sich in einem Augenblick auf einmal Liebe in Hass. Und dann kommt es ganz knüppeldicke.

„Das tust du mir an nach alle dem, was ich für dich getan habe!“

Schon mal gehört, solche Sprüche? Wo auf einmal herauskommt, warum jemand uns so viel Gutes erwiesen hat. Weil er nur von uns haben wollte!

Und der Sanftmütige kann auf diese Maßnahmen, die normalerweise Menschen so im Umgang haben miteinander – er kann darauf verzichten.

Er muss nicht sich selbst helfen. Er muss nicht in eigener Kraft wandeln. Er muss nicht versuchen, alles mögliche irgendwie zu benutzen, um sich zu sichern. Er kann es sich erlauben, wirklich sein Vertrauen auf Gott zu setzen und deswegen ist er nicht in Abhängigkeit von Menschen.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 12 – Sanftmut und Demut (10:00 bis 15:00)

Der Vorteil des Jochs ist: Der andere, mit dem wir zusammen gejocht sind, ist immer da.

Wir können nicht von ihm weg, aber er kann auch nicht von uns weg – das ist das Gute. Wir sind nicht alleine, er ist mit uns, wo immer wir sind.

Und das Joch ist ein sanftes Joch, nicht ein bedrückendes Joch.

Wir müssen uns frei machen von diesem Irrtum oder diesem Denken, dass es ein wirklich heilsames, schönes, erfüllendes, gutes Leben gibt außerhalb des Willens Gottes – das ist eine der größten Lügen des Teufels. Das gibt es nicht.

Sondern es ist nur ein Scheinangebot für das du einen hohen Preis bezahlen musst.

Denn das würde bedeuten, dass Liebe ein leeres Wort ist. Das würde bedeuten, der Teufel kann dir etwas besseres bieten und geben als Gott. Und das ist nicht der Fall. Der Teufel liebt dich nicht, er nutzt dich aus! Und die Bibel sagt, dass Gott Liebe ist und Liebe heißt: Er hat für mich vorgedacht. Und Er weiß, was das Beste ist. Er kennt mich. Er hat mich geschaffen, Er weiß, welche Art von Leben, welche Tätigkeit, welcher Beruf, welche Menschen usw. für mich das Allerbeste ist.

Und ich sage nicht einfach passiv: „Ja, alles, was jetzt kommt, ist der Wille Gottes“, sondern ganz aktiv suche ich und strebe ich an den Willen Gottes, und ich weiß, das wird das schönste, erfüllendste, glücklichste, zufriedenste, beste und heilsamste Leben sein, das es jemals auf diesem Planeten zu finden gibt.

Es ist ein Irrtum zu meinen, der Teufel kann etwas besseres bieten als der Herr. Er kann nicht.

Er kann etwas besseres versprechen, aber er kann es nicht halten – das ist sein Problem. Er macht leere Versprechungen, und wenn du dann draufkommst, es war eine leere Versprechung, ist es schon zu spät.

Und Jesus sagt: Nehmt mein Joch.

Und wir wählen freiwillig diese Art von Hingabe. Nur wenn wir das gewählt haben, kann das nächste kommen. Dass wir lernen. Wir lernen von ihm einen total neuen Lebensstil. Und den beschreibt er hier:

Mt 11,29b
Lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig

Und das ist, was er möchte. Dass wir lernen sollen. Und wenn wir diese Worte so hören und nicht erklärt bekommen, dann kriegen wir irgendwie ein leichtes Horrorgefühl und denken: Hilfe, jetzt wird’s aber echt religiös. Bei diesem Wort „sanftmütig“ – wir stellen uns so mit einem flauschigen Schlafanzug und langem Gewand irgendwie Jesus vor – mit langen Wimpern und einem sanften Augenaufschlag und er schwebt so durch die Weide und die Schäfchen so um ihn rum oder so – bei „sanftmütig“ denken wir gleich immer an „schwach“ und an „ein bisschen sentimental“ und nicht real und tauglich für das Alltagsleben.

Wir haben total verkehrte Vorstellungen, was Sanftmut und was Demut bedeutet. Und wir müssen uns da wirklich hineinbegeben in die Evangelien und das Leben von Jesus anschauen. Und er sagt: Er ist sanftmütig. Und er konnte in eine Rage kommen, er konnte in den Tempel gehen und sah diesen ganzen religiösen Plunder dort und er nahm eine Geißel und hat die Tische umgestoßen.

Das war doch nicht gerade freundlich. Stell dir mal vor, da haben die Tische gehabt und haben da sorgfältig ihr Geld gezählt und aufgestapelt immer in 20er-Türmchen – und der ganze Tisch voll Geld. Und Jesus tritt gegen den Tisch und stößt den Tisch um und nimmt eine Peitsche und scheucht die da alle raus. Und die Jünger sehen das und ihnen fällt nur ein Wort ein aus dem Alten Testament: Der Eifer um sein Haus hat ihn gefressen.

Joh 2,17
Seine Jünger aber dachten daran, dass geschrieben steht (Psalm 69,10): »Der Eifer um dein Haus wird mich fressen.«

Der Eifer um das Haus der Herrn hat ihn gefressen – und das war die totale Sanftmut!

Jesus war immer noch sanftmütig, er hat nicht gesündigt und abends dann Gott um Vergebung gebeten und kam zu den Wechslern dann wieder hin und sagte: „Sorry, ich war ein bisschen emotional und hatte mein Temperament nicht unter Kontrolle“.

Nein, er war der perfekte Ausdruck des Willens Gottes in jeder Situation. Auch in der Situation. Und wir brauchen ein nicht-religiöses Bild von Jesus. Er war nicht der mit dem Schlafanzug und den Schäfchen auf der Weide, sondern er war ein kerniger Mann, dem die anderen wirklich mit Respekt begegnen konnten.

Und nicht irgendwie so ein „Softie“ oder so etwas.

Sanftmut – was bedeutet Sanftmut? Sanftmut bedeutet: Aufgrund der Beziehung zu Gott, aufgrund der Gewissheit, Er ist mit mir und Er ist für mich und Er kämpft für mich, Er streitet für mich – deswegen muss ich nicht eigenen Nachdruck reinlegen, damit im Leben das geschieht, was ich haben will.

Ich kann verzichten auf pushen, drücken, einschüchtern, manipulieren, Angst machen und knechten und all diese Dinge, die im normalen Leben – zugegeben in unseren Breitengraden meistens recht zivilisiert – aber stattfinden in Beziehungen zwischen Menschen, wo man versucht, seinen Willen durchzusetzen.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 12 – Sanftmut und Demut (5:00 bis 10:00)

Und das Joch des Herrn eben ist wie er das hier sagt, ein „sanftes Joch“. Ein sanftes Joch.

Mt 11,30
Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Was bedeutet ein Joch? Wenn man früher so, was man heute auch noch sehen kann in Osteuropa oder so, zwei Tier hat, die zusammen einen Pflug ziehen sollen oder einen Wagen ziehen sollen, dann werden sie mit einem Joch zusammen gebunden. Da werden zwei Tiere unter ein Joch gepackt und danach können sie nur noch zusammen in eine Richtung gehen.

Nachdem sie unter dem Joch sind, können sie nicht mehr alleine gehen und selber irgendwie bestimmen, sondern das Joch bringt sie zusammen zu einer Einheit und so ist es auch mit uns – mit dem Herrn. Gott will, dass wir aus Einsicht freiwillig, weil wir verstehen, das ist vernünftig, das ist das größte Los, was wir je ziehen konnten – wir wählen den Willen Gottes für unser Leben. Wir wählen den Willen Gottes.

Wir geben uns hin. Wir sagen: Herr, ich will Deinen Willen tun, kümmer du dich um die Widerstände in mir, aber ich will. Ich will deinen ganzen Willen tun und ich will nicht mehr alleine bestimmen, ich will nicht mehr alleine etwas machen, sondern ich will mit dir verbunden bleiben und wir sind zusammen und du bestimmst, und ich gehe dahin, wo du gehst.

Diese Art von Hingabe brauchen wir in unserem Leben um Heilung zu erleben. Weil, wie wir schon am Anfang festgestellt haben, die Wurzel der ganzen Probleme ist die Unabhängigkeit gewesen, der Ausstieg aus der Einheit mit Gott. Die Rebellion. Wo der Mensch gesagt hat, ich weiß alleine, was gut und was richtig ist. Ich wähle jetzt. Ich treffe meine Entscheidungen. Ich habe genügend Verstand selber zu verstehen, was gut ist für mich und was nicht. Und ich brauche keinen Rat mehr – ich mache, was ich will.

Das hat der Mensch gewählt und ist ausgebrochen und meinte, das wäre der Schritt in die Freiheit. Und es war der Schritt in die totale Versklavung. Weil dieses „ich mache, was ich will“ war nicht etwas befreiendes, es hatte nichts emanzipatorisches an sich, sondern es war die Übernahme einer sündigen Haltung, die schon mal einer probiert hat: Nämlich der Teufel, der gesagt hat, er will Gott gleich sein und erhebt sich jetzt und er will bestimmen und er will machen.

Was einfach nicht angemessen war. Es ist nicht Gott gleich! Und er hat nicht das Zeug dazu, zu verstehen, was wirklich richtig ist im Leben. Er braucht als geschaffenes, abhängiges Wesen von Gott, er braucht Führung, er braucht Schutz, er braucht Anleitung. Und er hat das alles verworfen und hat gesagt, ich kann das alles alleine. Und als Adam diesen Schritt vollzogen hat, hat er nicht etwas großartiges getan, sondern er hat nur jemandem etwas nachgemacht, der vorher schon in diese Lüge der Unabhängigkeit, der Selbstherrlichkeit, der Vermessenheit und der Anmaßung hinein gekommen ist.

Und wir nehmen das Joch auf uns, das wird uns nicht aufgedrückt, das wird uns auch nicht kaputt machen. Jesus sagt, es ist ein sanftes Joch. Aber da ist ein Joch da, und das heißt: Der Wille Gottes, der uns beschrieben wird im Worte Gottes.

Und ich habe noch niemals gesehen, dass in einem anhaltenden Prozess der Segen Gottes in ein Leben hineinströmt, so dass es innere Heilung gibt und charakterliche Durchbrüche gibt und echte Veränderungen und Fortschritte gibt an den uralten Schwachstellen – ich hab noch nie das gesehen, wenn nicht zuvor eine solche Haltung vollzogen wurde: Ich will mit allem, was in mir ist, den ganzen Willen Gottes tun.

Noch niemals habe ich echte seelsorgerliche Durchbrüche gesehen bei einem Menschen, der das nicht vollzogen hat.

Und ich erwarte auch nicht so etwas, weil es das nicht gibt. Es muss die Wurzel des Problems, nämlich Unabhängigkeit herausgenommen werden aus unserem Leben und wir müssen zurückkommen – oder wir dürfen zurückkommen – das klingt schon so stressig! Wir dürfen zurückkommen zu dieser wunderbaren Einheit mit dem Herrn, wo Sein Wille unser Wille wird.

Sein Wille wird unser Wille. Gott will nicht deinen Willen brechen, Gott will nicht, dass du willensschwach wirst, Gott will dich nicht manipulieren, sondern er möchte, dass du verstehst: „Sein Wille ist das beste für mein Leben und ich wähle seinen Willen. Ich wähle es!“

Das heißt, sich unter das Joch zu begeben.

Und dann sind wir gut dran, weil wir dann nie mehr alleine sind. Wir sind verbunden unter einem Joch mit dem Herrn. Das heißt, wo immer wir gehen, er ist auch da. Das ist das Problem wenn wir uns unabhängig machen: Wir haben vielleicht eine Scheinfreiheit, aber dann kommen die Probleme und dann schreien wir: Herr, wo bist du?

Ja, wo bist du? Er ist den geraden Weg weitergegangen, und wir sind irgendwo in der Pampa gelandet, weil wir es besser wussten angeblich.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 12 – Sanftmut und Demut (0:00 bis 5:00)

Okay, wir wollen also heute hier das Wort Gottes studieren – noch in Fortsetzung zu dem Thema vom letzten Mal. Alles eigentlich noch unter der Generalüberschrift von „Befreiung“, Befreiung von der Vergangenheit.

Wir haben das sehr deutlich herausgestellt, dass der Hauptgesichtspunkt für Befreiung und innere Heilung und Wiederherstellung in unserem Leben der ist, dass wir ein solches Leben führen, wo wir dem Feind keinen Raum mehr geben.

Eph 4,30
Gebt dem Teufel keinen Raum.

Es muss einfach diese Zufuhr von negativer Energie in unserem Leben aufhören, weil wir jetzt so leben, dass wir dem Feind nicht mehr Raum geben und dann kann eine wirkliche Heilung in uns stattfinden. Und das letzte Mal war dieser wichtige Begriff „Gnade“, Gnade geben, anderen vergeben, die Unrecht an uns begangen haben, weil eben Gott ein Gott der Gnade ist. Und weil die Bibel das so deutlich herausstellt – wenn wir die Gnade mit derselben Bedingungslosigkeit, wie wir sie bekommen haben, nicht weitergeben an andere, die uns verletzt haben in der Vergangenheit oder die heute im Alltag uns irgendwie komisch kommen – wenn wir das nicht tun, dann stoppt der Fluss der Gnade.

Das haben wir gesehen, das ist einfach eine biblische Tatsache, und wir können das nur für uns arbeiten lassen, indem wir sagen: Gut, wenn dem so ist, dann will ich reichlich Gnade fließen lassen in meine Umgebung, hin zu denen, die mir weh getan haben, die heute irgendwie mich ablehnen und so einfach sicherstellen, der Strom der Gnade fließt weiter hinein in mein Leben.

Wenn wir so krank machende Faktoren beschreiben wollen, weswegen Menschen seelisch und oft auch körperlich krank werden, hat sicherlich dieser Sachverhalt der Gnadenlosigkeit, der Bitterkeit, des Nicht-Vergeben-Wollens sicherlich den allerersten Rang.

Den allerersten Rang! Es gibt nichts anderes in unserem Leben, was uns so sehr schadet und so sehr kaputt macht wie diese eine Geschichte, dass wir uns weigern, nachdem wir kostenlos und im Übermaß von Gott Gnade bekommen haben, dann sie genau so weiterzugeben, sondern wir dann sagen: Der verdient es, und der verdient es nicht.

Und das steht uns nicht zu! Die Gnade Gottes ist unverdienterweise für uns alle. Und wir möchten sie auch gerne unverdient haben, und Gott sagt: Genau so gib sie weiter auch an deine Umgebung.

Und heute also auch noch unter dieser großen Überschrift „Befreiung“ dann will ich über zwei andere Aspekte sprechen, die wir schon genannt haben. Da waren also die Tatsünden und das ganze Aufräumen mit der okkulten Vergangenheit, dann die Vergebung, und jetzt heute hier das, was die Bibel nennt – und das muss ich natürlich dann erklären, was das beinhaltet: Der Lebensstil in Sanftmut und Demut.

Das ist ein ganz, ganz wichtiger Bereich, wo Gott uns lehren will, wo wir Veränderung erleben sollen.

Hört einmal Mt 11,28 – dieses bekannte Wort. Jesus sagt:

Mt 11,28
Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen.

Wir würden vielleicht heute sagen: Ihr Kaputten und Geschundenen und Geschmähten, Abgelehnten, Frustrierten, Enttäuschten usw. Das sind die, die Jesus anspricht. Und die sollen zu ihm kommen, Preis dem Herrn, dass er die speziell anspricht. Und dann sagt er, was er tun will:

Mt 11,28
Ich werde euch Ruhe geben.

Und ist es nicht so, dass gerade die Menschen, die kaputt sind, die enttäuscht sind vom Leben, die verletzt sind, die sich abgelehnt fühlen, sich selber ablehnen – das sind auch die, die ruhelos sind. Das sind die, die keinen wirklichen Frieden haben. Vielleicht irgendwie sind sie passiv, aber eine wirkliche echte Ruhe, die man genießen kann, und die dazu führt, dass wir kraftvoll leben können, ist das auf keinen Fall.

Jesus sagt: Ich will Ruhe geben.

Und dann kommt eine interessante Beschreibung seiner Verfahrens, wie er denn diese Ruhe und diese Heilung geben will:

Mt 11,29
Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir.

Dieses Joch des Herrn, das ist etwas ganz interessantes, das wir auf uns nehmen sollen. Normalerweise denken wir: Mensch, wir kommen gerade aus der Knechtschaft und jetzt kommen wir zum Herrn und er will schon wieder ein neues Joch uns auferlegen!

Aber wenn wir das in der Bibel anschauen, dann sehen wir – entweder haben wir das Joch des Feindes, was eisern ist. Die Bibel spricht von einem eisernen Joch, das uns bedrückt, das schwere Lasten uns aufbürdet und was uns behindert und was weh tut und was das Leben einfach so schwierig und schmerzhaft macht. Entweder wir tragen das Joch des Feindes oder wir haben das Joch des Herrn – es gibt nichts dazwischen.