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Grundlagen12

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 12 – Sanftmut und Demut (30:00 bis 35:00)

Und wir müssen uns nur hüten vor der Verzweiflung, wo wir gefallen sind und dann so enttäuscht sind über uns, dass wir, die wir doch schon so geistlich stark waren, jetzt wieder gefallen sind und jetzt bleiben wir vor lauter Schmollen und Enttäuschung über uns liegen – und wir sind nur noch verzweifelt und sagen: Ach, es hat doch keinen Zweck – oder: was ich so oft höre dann, wenn ich mit jemandem mal so ein Programm durchgehe, wie er so wirklich Grund bekommt in sein Leben. Und ich sehe, er macht echte Schritte und die Freude des Herrn kommt und er geht siegreich nach vorne und dann irgendwann ist er wieder ganz niedergeschlagen: „Es funktioniert alles nicht“.

Ich sage: Was funktioniert nicht? So lange du getan hast, was die biblischen Anweisungen waren, hat es prächtig funktioniert, ich hab dich gesehen – im Hauskreis, in der Gemeinde, in der Arbeitsgruppe. Ich hab dich gesehen, es ging gut, Gott war mit dir und der Segen des Herrn war da.

– „Es geht alles nicht!“

Ich sage: Weißt du was? Du bist gefallen und du bist einfach zu stolz, zuzugeben, dass du gefallen bist! Steh wieder auf! Der Gerechte fällt sieben mal und steht wieder auf!

Spr 24,16a
Denn der Gerechte fällt siebenmal und steht wieder auf

So lange du die Schritte gegangen bist, ging es. Also wenn du jetzt wieder aufstehst, es wird wieder gehen! Es wird wieder gehen.

Die Dinge, die Gott will, dass wir sie tun, sind so einfach, so simpel, dass wir manchmal geneigt sind, daran vorbeizugehen. Wir suchen irgendwie die großen Lösungen, die irgendwie am besten mit einem einzigen Gebet so kompakt vom Himmel plumpsen und denken, das ist es.

Aber das, was uns aufgegeben wurde oder was von uns erwartet wird, erfordert Ausdauer.

Und Gott will, dass wir den langen Atem haben und dass wir sagen: Ein Charakter wird nicht an einem Tag verdorben und ein Charakter wird auch nicht an einem Tag erneuert.

Was ist Charakter? Charakter ist eine Serie von bestimmten Denkweisen und Einstellungen – und das haben wir trainiert mit viel Fleiss, Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr – und jetzt denken wir, dass in einem Augenblick alles anders ist. Erlösung ist, wir haben die Kraft Gottes in uns, unsere Gedanken zu verändern und dann die Herzenshaltungen zu entdecken und auch die zu verändern – und dann unser Herz zu bewahren. Das ist Erlösung. Und das geht schrittweise.

Und wir sollen nicht frustriert sein und sagen: Ohhh, da kommen wir ja nie an ein Ende.

Darum geht es nicht. Es geht darum, dass du weitergehst, dass du Schritt für Schritt deine Dinge einfach tust, die der Herr will.

Im Nachfolgen und im Gehorsam einfach, darin liegt der Segen. Ich weiß nicht, ob du auch so wie ich als ich neu bekehrt war, kam dann so in christliche Kreise und habe so in Würde ergraute ältere Brüder gesehen, die mir so als leuchtendes Vorbild vorgestellt wurden – und ich war so erschrocken. Und mein Gebet war: „Herr, es darf auf keinen Fall sein, wenn ich 40-50 Jahre mit dir gegangen bin, dass ich dann so ein Abziehbild von Mann geworden bin. Das darf nicht sein, das wäre furchtbar! Das kann ich mir nicht vorstellen, dass das wirkliche Heiligkeit bedeutet, so schwach und so wenig männlich irgendwie zu sein, das kann nicht sein, Herr, bewahre mich!“

Es war wirklich ein Problem. Und das sind dann die lieben Brüder, die sagen: Junge, ich steh seit 50 Jahren in der Nachfolge.

Genau das ist das Problem: Wir sollen gehen, wir sollen nicht stehen. Wir sollen mit Jesus gehen. Schritt für Schritt. Wir sollen nicht stehen, sondern mit ihm zusammen gehen. Nachfolge. Er geht voran, wir folgen. Das ist ein Widerspruch in sich: „Zu stehen in der Nachfolge“. Das ist das Problem.

Ich weiß nicht, ob ihr das mal kennengelernt habt. Da hab’s auch nicht viel Lehre und erst dachte ich: Naja, die müssen es ja wissen.

Und in mir sagte alles: Nimm es nicht an, nimm es nicht an! Glaub es nicht.

Das war ein Problem.

Okay, Sanftmut und Demut – das sind die beiden Dinge. Und „demütig“ muss ich auch noch ein bisschen mehr erklären. Demütig bedeutet nicht, wir haben keine Meinung und wir laufen immer mit gesenktem Kopf umher und sagen: Bitte, ich bin der Fußabtreter der Nation oder wenigstens von meiner Arbeitsstelle oder hackt nur alle auf mir herum, ich bin Christ, mit mir könnt ihr es machen. Und wenn du mir eine klebst, dann halte ich dir auch noch die andere Wange hin.

Demütig sein heißt in der Wahrheit zu leben, heißt abhängig zu sein vom Herrn, von der Wahrheit.

Wenn Demut nicht zur Freude führt und zu einem gesunden Selbstwertgefühl, dann ist es keine Demut, dann ist es eine selbstgemachte, menschliche Demut, wovon es in Hülle und Fülle negative Vorbilder gibt. Gott will nicht, dass wir religiös werden. Gott ist nicht religiös – Hallelujah! Und er möchte nicht, dass wir religiös werden. Er möchte nicht, dass wir diese falsche Bescheidenheit entwickeln.

Ich war mal in solchen Familien, ich erinnere mich jetzt gerade an eine Situation. Es war eine solche Beklommenheit: Man fühlte sich so wie: Entschuldigung, dass ich hier wage zu atmen. Lieber Bruder, entschuldige bitte, vergib mir, würdest du mir vielleicht bitte den Zucker rüberreichen.

Du kriegst totale Probleme und denkst: „Mein lieber Mann, ich muss ja noch viel lernen“, hab ich gedacht.

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