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Grundlagen12

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 12 – Sanftmut und Demut (60:00 bis 65:00)

Sondern es muss zu einer echten Erfahrung kommen, die auch nicht nur ein Mal ist, sondern die einen Strom von Liebeserweisen einfach fließen lässt in unser Leben.

Geliebt sein macht willig.

Ich weiß nicht, wie das bei dir war, aber ich glaube, jeder hat irgendwie in seiner Sturm- und Drangzeit irgendwann mal eine Liebschaft gehabt und da hat er sich gefühlt, also, wenn’s drauf ankommt – ich gehe auch auf den Himalaya und ich pflücke das Alpenedelweiss oder irgendwie sowas. Man ist bereit alles zu tun. Ich hatte ein Mädchen gehabt, war mitten in der Schule, war 16 Jahre alt, und ich hab mir drei Tage von der Schule unter falschem Vorwand frei genommen – nicht, dass das lobenswert ist, wie gesagt, ich war ja kein Christ – und ohne Geld bin ich bis nach Rotterdam getrampt.

Und ich habe 1 1/2 Tage gebraucht und hab ein paar Stunden mein Mädchen gesehen, dann bin ich wieder zurück getrampt. Man macht alles. Würde man sich hinsetzen am Schreibtisch und sagen: Also, macht das Sinn? Anderthalb Tage unterwegs zu sein, sich an die Autobahn zu stellen wie ein Depp und zu warten, bis einer einen mitnimmt – nur um ein paar Stunden ein Mädchen zu sehen?

Das macht keinen Sinn! Aber Liebe rechnet nicht.

Und wenn Gott uns dient und wir seine Liebe erleben – Liebe macht uns willig – zu geben. Liebe macht uns willig zu dienen, selber zu investieren in das Reich Gottes, in das Leben von anderen Menschen, in das, was Gott uns einfach an Aufgaben gibt.

Wenn ich so von meinen Reisen zurückkommen wie jetzt diese hier, ich hab noch so eine stressige, anstrengende Reise gehabt und ich habe das Gefühl, ich brauche ein Jahr Urlaub wenn ich hier wieder ankomme – 12 Tage Zentralasien und ich war fix und fertig.

Fix und fertig! Und normalerweise man würde sagen, okay, vergessen wir’s. Nie wieder. Nie wieder. Hab mich noch zusammenschlagen lassen und alles mögliche hab ich da an komischen Dingen erlebt. Man würde menschlicherweise denken, okay, vergiss es, das war’s, nie wieder.

Aber ich bin zu Hause, tanke auf in der Liebe Gottes und sage: Gott, wann kann ich wieder fahren?

Das ist verrückt! Das ist verrückt!

Gott, wann erlaubst du mir wieder, diesen Dienst fortzusetzen?

Die Liebe macht uns willig und wir berechnen nicht. Und wir sagen nicht: Ja, aber was ist, wenn das nächste Mal dasselbe nochmal passiert? Man rechnet nicht.

Die Liebe Christi drängt uns, sagt Paulus.

2Kor 5,14a
Denn die Liebe des Christus drängt uns

Sie motiviert uns. Sie ist eine ungeheure Schubkraft. Und wir sind bereit, alles zu geben. Wir rechnen nicht.

Und das ist richtig. So lange wir rechnen müssen: Oh, kann ich jetzt wirklich dieses Geld geben? Kann ich das jetzt wirklich tun?

So lange – vergiss es – bist du nicht in der Liebe und du bist nicht frei. Du bringst irgendwelche Opfer und es schmerzt dich und dahin geht das Geld und du winkst ihm noch mit einem feuchten Auge hinterher. Und das hat alles nichts mit Liebe zu tun.

Sondern du ringst dir irgendwelche Opfer ab, weil du meinst, du müsstest opfern. Vergiss das alles.

Das sind tote Werke.

Erst kommt die Liebe Gottes, die uns dient. Und danach, ohne dass wir rechnen, ohne dass wir nachgedacht haben, einfach, wir tun etwas. Wir geben einfach.

Ich rede jetzt nicht nur unbedingt von Geld, aber es trifft genauso auch auf das Geben von Geld zu. Wir geben Zeit, Energie, Kraft, Aufmerksamkeit. Und wir können etwas tun, wir können uns wegschenken, weil wir bekommen haben von Gott. Wir können nur geben, was wir bekommen haben.

Und es ist die Liebe Gottes, die uns hilft einfach über all die alten Dinge der Selbstablehnung, der Selbstvorwürfe und der Selbstverachtung hinweg zu kommen.

Und Gott will uns heilen, dass wir Achtung haben vor uns selbst. Manche Leute verwechseln Selbstverachtung mit Demut.

Und das ist nicht göttlich. Gott will, dass wenn du am morgen dein Gesicht im Spiegel siehst, also nicht in der Zeitschrift „Spiegel“, sondern im Badezimmer, dass du dich freust darüber. Und es gibt Leute, die kriegen eine Krise wenn sie sich im Spiegel sehen.

Sie kriegen eine echte Krise.

Und Gott will uns freisetzen, sogar wenn du dich im „Stern“ siehst, sollst du immer noch gelassen bleiben. Hallelujah.

Und das bringt nur die Liebe fertig, die uns heilt von dieser Selbstablehnung. Wir sind vielleicht aufgewachsen in einer Atmosphäre von Geringschätzung, Anklage, Vorwürfe, Druck und negativen Erwartungen: „Du schaffst es nie“. Du bist ein – wie heißt es auf Englisch? „Good for Nothing“ – so hat’s mein Englischlehrer ausgedrückt. Der Französischlehrer hat’s auf Französisch gesagt, ich weiß leider den Ausdruck nicht mehr, ich war so schlecht in Französisch. Er hatte einen speziellen französischen Ausdruck. Und der Englischlehrer: „A young good-for-nothing“.

Also „gut für nix“ – kann man wörtlich übersetzen.

Und meine Oma hat es wieder anders gesagt. Und alle haben sehr große Erwartungen gehabt, dass aus mir ein totaler Versager wird. Und ich habe diese Erwartungen erfüllt mit bestem Wissen und Gewissen. Und als ich 21 war, mein Leben war ein Wrack. Ich habe es geschafft, da hin zu kommen, das zu erfüllen, was man von mir erwartet hatte.

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