Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 12 – Sanftmut und Demut (75:00 bis 80:00)

Das ist ganz schön schockierend, nicht wahr?

Aber bitte keine Verdammnis! Wir können ja alle besser werden. Und wir können alle zulegen und wachsen – Gott hat Gemeinde gegeben und wenn wir Christen sind, dann will Er, dass wir hineinkommen in die Gemeinde.

Und zwar auf eine verbindliche Art und Weise, wo ich meinen Platz unter der Leitung Gottes finde, wo ich beginne, Verantwortung zu übernehmen, wo ich beginne, transparent zu sein – nicht im Sinne von „das gläserne Sektenmitglied“ oder so, was total durchleuchtet wird und elektronisch erfasst ist. Sondern wo ich ehrlich bin, wo ich offen bin, wo ich aufhöre, Spielchen zu spielen. Und wo ich sage: Ihr lieben Brüder, das sind meine Nöte, betet für mich.

Und wo wir wirklich lernen zu geben und zu nehmen. Und wo wir zusammen gehören.

Und wo wir eines kapieren, was irgendwie unsere ganze Haltung total verändern wird: Wenn wir Christ geworden sind, wir gehören als Kinder Gottes in eine Familie und in dieser Familie gehören wir einander!

Und wenn jemand mir so etwas erzählt: Ich brauche nicht mehr in den Hauskreis zu kommen, ich habe noch so viel zu tun mit der Predigt vom Sonntag und ich kann nicht am Mittwoch schon wieder was neues aufnehmen und immer mehr lernen und deswegen kann ich jetzt erstmal nicht in den Hauskreis kommen – ich weiß eines: Der hat überhaupt noch nicht verstanden, was „Leben in der Gemeinde“ bedeutet.

Ich sage: Wie wärs wenn du in den Hauskreis nicht kommst, um zu nehmen – sondern um zu geben?

Meinetwegen du kannst im Moment nichts nehmen, macht ja nichts, aber komm in den Hauskreis um zu geben!

Und ich habe das immer versucht und wir haben Bombenstimmung im Hauskreis gehabt, wir haben das eintrainiert: Wir gehören einander.

Da fängst du aber an deine Brüder und Schwestern anders zu behandeln wenn du kapierst, du gehörst ihnen, und sie gehören dir.

Und – oh Schreck – jetzt kommt’s noch dicker: Sie haben ein Recht darauf, am Mittwoch – und nicht nur am Mittwoch, auch am Sonntag und wann immer sonst sie dich so treffen würden, sie haben ein Recht darauf, dich fröhlich, freundlich und liebevoll zu erleben.

Bäm!

Das ist der Hammer!

Was? Soll das etwa behaupten, dass ich für die immer nur ein Lächeln auf den Lippen haben muss?!? Und nie mal meinen Zorn rauslassen kann?!

Dein Zorn kannst du dem Herrn übergeben. Und nicht deinen Geschwistern.

Und der Herr redet nicht von einem aufgetünchten charismatischen Lächeln und darunter brodelt der Vulkan. Sondern dass du deine Wut, deinen Zorn und dein ungerecht behandelt sein und all das dem Herrn übergibst und sagst: Gott, nimm das aus mir heraus, das ist ja furchtbar! Wenn du das nicht von mir nimmst, ich laufe Gefahr, dass das nächste Gemeindemitglied das abkriegt wenn es mit mir irgendwie zusammentrifft. Befrei mich von diesen negativen Dingen, die da in mir so brodeln und kochen und so sind.

Wir gehören einander! Und es ist nicht meine Privatsache, in welcher Stimmung ich am Mittwoch in den Hauskreis komme.

Denkt mal über sowas nach.

Das hat aber Konsequenzen, wenn man das wirklich übernimmt. Wir sollen einander zur gegenseitigen Auferbauung dienen. Und dein Bruder wird nicht davon aufgebaut, indem du ihm alles erzählst, was schreckliches Schwester Friederike alles dir negatives angetan hat und wie sie dich verletzt hat und beleidigt hat – davon wird er nicht aufgebaut.

Und wir sagen dann schnell: Ja, aber ist doch wahr!

Und die Schrift sagt: Du, dass etwas wahr ist, ist noch lange keine Berechtigung, dass du es weiter erzählst.

Alles, was wahr ist – und was aufbaut.

Phil 4,8
Übrigens, Brüder, alles, was wahr, alles, was ehrbar, alles, was gerecht, alles, was rein, alles, was liebenswert, alles, was wohllautend ist, wenn es irgendeine Tugend und wenn es irgendein Lob gibt, das erwägt!

Das sollen wir reden.

Und indem du brühwarm weitererzählst, was Schwester Friederike an dir getan hat, beweist nur, dass du ihr noch gar nicht vergeben hast. Und da ist der Punkt: Die Liebe deckt zu.

1Petr 4,8
Vor allen Dingen habt untereinander beharrliche Liebe; denn »Liebe deckt der Sünden Menge zu« (Sprüche 10,12).

Du sagst: Ja, aber die Schwester muss doch auch mal merken, dass das so nicht geht.

Ja, bete doch für sie und segne sie. Und wenn du frei bist von deinem Groll, dann kannst du auch hingehen und kannst sagen: Weißt du, ist dir das eigentlich bewusst – die Art und Weise wie du mich behandelt hast, hat mich sehr verletzt?

Und das kannst du tun. Und viele Male wird Gott sagen: Mach das, geh hin und öffne dein Herz und zeige, was das wirklich in dir bewirkt hat. Aber dann auf einmal sind wir wieder superfromm: „Nein, das hat ja überhaupt nichts in mir bewirkt, ich hab ihr vergeben“.

Ja, nix hast du. Du hast nur irgendwie ein Pflästerchen drüber geklebt und bei der nächsten Gelegenheit geht das Ding wie eine Bombe hoch. Der Zeitzünder tickt schon.

Wenn du ohne Groll bist, dann kannst du hingehen zu jemandem und Gott will viele Male, dass wir das tun. Und viele sind solche Einzelkämpfer und sagen: Ach, das mach ich irgendwie mit Gott ab.

Nein, Gott will deine Ehrlichkeit benutzen, den Bruder, die Schwester zu lehren.

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