Kategorien
Grundlagen10

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 10 – Befreiung von der Vergangenheit (30:00 bis 35:00)

Also, diese Kontrollzwänge: Viele, viele Menschen haben solche Dinge.

Okay, dann hier ein ganz wichtiges Thema. Gerade gestern las ich einen alten Focus-Artikel, und ich hab die Zahl vergessen, wie viele Millionen von Menschen von solchen Problemen – Angst und Phobien usw. gequält werden. Es war eine ungeheure Zahl, die da genannt wurde. Selbst wenn nur 10% davon stimmen würden, dann müsste man sagen: Armes Deutschland.

Menschen werden geplagt von den absurdesten, abnormsten Ängsten. Ich rede jetzt nicht davon, dass Du am hellichten Tage durch den Schöneberger Volkspark gehst und plötzlich hörst du ein Löwengebrüll und hinter dem Busch, auf einmal springt ein ausgewachsener Löwe hervor und du sagst: Pastor, ich muss in die Seelsorge, ich hatte echt Angst.

Ich würde sagen: Hallelujah. Das war sehr gesund, das hat dir einen Adrenalin-Stoß versetzt und du klettertest auf die Bäume wie die Affen. Und du wusstest gar nicht, dass du so sportlich bist. Das war sehr hilfreich, das war Gott, der hat dein Leben gerettet. Das war super.

Ich rede nicht von dieser „real begründeten Angst in einer wirklichen bedrohlichen Situation“.

Aber wenn du sagst: Jedes Mal wenn ich beim schönsten Sonnenschein durch den Volkspark laufe, habe ich Angst, hinter dem nächsten Busch könnte ein Löwe hervorkommen. Und das ist so furchtbar für mich, dass ich mich schon gar nicht mehr traue, durch den Volkpark zu gehen. Dann hast du ein Problem. Verstehst du den Unterschied?

Und so gibt es Menschen, die von Angstfantasien gejagt und gequält werden. Es gibt Menschen, für die ist die Vorstellung in einen Fahrstuhl zu steigen ein Horror. Die haben Angst vor geschlossenen Räumen, die haben Angst über einen offenen Platz zu gehen. Sie haben Angst, irgendwelche normalen Dinge zu tun, die vielleicht für jeden von uns völlig selbstverständlich sind, aber sie sind gebunden. Und nur die Vorstellung, sie würden da ausbrechen, erzeugt für sie also wirkliche Todesängste.

Ich habe das viele, viele Male erlebt, und ich könnte dir eine ganze Reihe von Leuten in der Gemeinde sagen, was ich natürlich nicht tue wegen Datenschutz, die solche Probleme gehabt haben: Die nicht in die U-Bahn gehen konnten, die nicht im Auto durch den Straßenverkehr fahren konnten, die alles mögliche nicht konnten, die umgekippt sind und die x-mal in die Klinik gekommen sind und da gelandet sind.

Du denkst, irgendwann gibt es eine neue Fernsehsendung mit jemandem aus unserer Gemeinde, der von Beruf Busfahrer ist. Und deswegen darf ich das so sagen, weil die Sendung könnt ihr dann alle sehen. Und der erzählt wie er kollabiert ist und wie oftmals der Bus rechts ran musste und dann kam die Feuerwehr und hat ihn abgeholt und in die Klinik – Herzrasen, Flattermann und Umkippen und lauter solche Geschichten, das gehörte zum Alltag. Die Frau war schon ganz durch den Wind. Jedesmal hörte sie dann die Sirene und dann kam wieder irgendwie die Feuerwehr daher oder irgendwas passierte andauernd. Es war ein Horror im Leben dieser Familie.

Und Jesus macht von solchen Geschichten frei. Das ist meine Betonung. Das ist, was ich euch hier sagen möchte. Und wenn du, wie gesagt, keinerlei Bedarf siehst dafür, dann wisse, es gibt viele, viele, viele Menschen, die solchen Bedarf haben. Und die sollen das wissen. Und du sollst mit Überzeugung rausgehen: Jawohl! Es gibt Befreiung. Es gibt wirklich Durchbrüche von diesen Dingen!

Viele Menschen habe ich erlebt, die solche Ängste gehabt haben. Ich kannte einmal eine Frau, die hatte Angst vor Krankheitserregern. Zugegeben in dem Krankenhaus, in dem ich da gearbeitet habe, natürlich wie in jedem Krankenhaus, gibt es auch viele Krankheitserreger. Aber diese Angst war so panisch bei der Frau. Was sie getan hat: Wenn sie durch die Räume gegangen ist, sie hatte immer ein großes Taschentuch in ihrer Kitteltasche, und wenn sie eine Tür aufmachen wollte, dann nahm sie ihr Taschentuch raus, legte es auf die Klinke und dann legte sie die Hand auf die Klinke, drückte die Klinke runter, machte die Tür auf, nahm das Taschentuch, ging auf die andere Seite, legte das Taschentuch auf die Klinke, drückte die Klinke runter, und machte die Tür zu. Und du kannst dir vorstellen: Eine Krankenschwester – wie viele Türen die Tag für Tag in jeder Schicht aufmachen muss – was das für eine Energieverschwendung ist!

Außerdem sieht das ziemlich blöde aus gegenüber den Arbeitskollegen, das ist ja peinlich. Aber diese Ängste sind größer als Peinlichkeit. Man sagt: Mir ist alles egal, Hauptsache, diese Keime erwischen mich nicht. Und wenn meine Arbeitskollegen über mich lachen, ist mir ganz egal. Aber man ist doch wirklich geplagt von etwas!

Das sind so einige Beispiele. Es gibt noch vieles, vieles andere. Und bitte auch hier jedes Mal immer so erkennen, was ist wirklich pathologisch oder krankhaft – und was ist einfach normal?

Wenn du bei diesem Raum hier ein bisschen so sagst: Meine Güte, das ist alles so eng hier, ich fürchte, ich ersticke – dann hast du möglichweise ein Problem.

Aber wenn du irgendwie als Kind in den Schuhkarton fällst und die anderen Kinder stellen sich drauf und sagen „Haha, wir haben ihn gefangen“ – und du kriegst da drinnen Ängste, weil es eng und weil es dunkel ist – das ist relativ normal.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.