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Hartwig Henkel – “Gemeinde nach Gottes Plan” Teil 2 (85:00 bis 90:00)

 

Einmal hab ich eine Schwester zur Seite genommen, die regelmäßig damit auffiel, dass sie die Brüder verwirrt hat mit extrem knappen Röcken. Ist das ein Thema in der Gemeinde? Kann man was sagen über Kleidung? Ich finde es erbärmlich wenn ich manche Gemeinden sehe – vorne die jungen Mädels, 14 Jahre, bauchfrei stehen auf der Bühne und wollen da den Herrn preisen. Und dann hole ich mir die Verantwortlichen und sage: „Wann werdet ihr mit den Mädels mal sprechen über Kleidung?“ – „Ja, wir haben schon versucht, die hören ja nicht auf uns, die machen, was sie wollen, die sagen, das geht dich gar nichts an, wie ich hier komm“. Ich sag, „und was machst du dann?“ – „Ja, dann weiß ich nicht mehr“. Ich sag, „ich wüsste, was ich mache. Wenn ich verantwortlich wäre für diese Lobpreistruppe – ich würde sagen: So sind die Kleidervorschriften, bauchfrei gibts nicht mehr. Und wenn sie so ankommt, dann sag ich: Geh nach Hause und zieh dich um. Aber bauchfrei – du auf der Bühne – mit mir nicht. Gibts nicht.“

Und du hast ihnen das schnell abgewöhnt. Aber man gibt einen kleinen Hinweis und merkt, die reagieren nicht, „ja, was kann ich jetzt tun?“ Sei mal Banklehrling und komm ohne Krawatte. Und dann sagt der Chef: „Hallo? In der Bank immer mit Schlips“. Und du sagst: „Ne, mach ich nicht.“ Und dann sagt der Chef: „Na gut“? Der sagt: „Hallo? Wir müssen ein Grundsatzgespräch geführen: Ich Ausbilder, du Lehrling, verstanden? Du unterschrieben – immer Schlips. Ab nach Hause und Schlips und nie wieder solche Mucken“.

Der würde sich das gar nicht bieten lassen. Das würde dem Lehrling nicht mal einfallen, weil er genau weiß, das wird hier ernst genommen. Warum machen das diese Mädels? Weil sie wissen, hier gibts keine Autorität, hier gibts keine Leitung, niemand sagt: Da gehts lang. Und das kommt nicht in Frage.

Das ist alles beliebig. Und wir haben das Gefühl, wenn wir nur halbwegs irgendwie mitmachen, sollen sie doch alle dankbar sein. Aber die Idee, wir sollen mitmachen zu den Bedingungen der Leitung – das kommt uns seltsam vor. Und die Leiterschaft denkt genau so! Ich soll doch froh sein, dass die überhaupt kommen. Ich kann doch nicht von denen noch erwarten, dass sie so und so machen. Ja – warum eigentlich nicht?

Natürlich kannst du! Du musst sogar, du musst sogar! Und wir haben Skrupel und wir wollen ja nicht „hart“ sein, wir wollen ja nicht „lieblos“ sein, wir wollen ja nicht die unters Gesetz bringen. Und solche Sprüche hörst du dann von Christen. Die Basics von Erziehung haben wir nicht verstanden. Wir wissen nicht wie Gott uns erzieht, und deswegen wissen wir nicht wie wir andere Menschen erziehen sollen. Gemeinde ist Erziehungsarbeit.

Und weil offensichtlich immer weniger die Basics in den Familien oder Halbfamilien oder was wir da heute haben gelehrt werden, müssen wir immer weiter anfangen. Und manchmal müssen wir sagen: Schön, Bruder, dass du gekommen bist. Komm bitte eine Viertelstunde eher damit du unten noch in die Gemeindedusche gehen kannst. Wir freuen uns, dass du da bist, und wir haben eine Dusche. Benutze die bitte. Zeig deine Liebe zu deinen Geschwistern.

„Ts, das kann man doch nicht sagen!“ – Warum eigentlich nicht? Warum sollen alle leiden und machen alle einen Fluchtradius von 5 Metern um diese Person, die da ganz alleine in der Reihe sitzt, weil das keiner aushalten kann diesen Gestank. Warum? Liebe ist anderen zu dienen. Und wir bringen ihm bei ein bisschen zu dienen. Und da müssen wir auch mal Hygiene ansprechen. Hallo?

„Ja, aber das kann man doch nicht machen?!“ Viele haben die Idee, das Evangelium heißt: Seid nett zueinander. Das ist ADAC, das ist nicht Evangelium. Evangelium ist, liebt einander – mit Worten und Werken.

Das heißt, behandelt sie so, wie Gott sie behandeln würde. Geht mit ihnen so um wie Er das tun würde. Hat Gott Angst zu konfrontieren? Also warum haben wir sie? Weil wir noch nicht geschrien haben: „Errette mich von meiner Menschenfurcht. Setz mich frei von dieser elenden, erbärmlichen Haltung der Menschengefälligkeit“. Und wir verkaufen das uns selber und den anderen noch als Nettigkeit. Und denken schon, Wunder, wieviel Liebe wir haben. Und das ist nichts als selbstsüchtiges „Ich will in keinen Konflikt geraten“.

Wenn wir Christen sind, wir kommen in Konflikte. Das ist normal. Besonders wenn wir dann Verantwortung übernehmen und kommen in Leiterschaft, wir kommen in noch mehr Konflikte. Christsein heißt, du bist in Konflikt – mit der Kultur, mit dem ungehorsamen Bruder, mit der Gesellschaft, vielleicht auch bald mit dem Staat. Wir kommen in Konflikte mit dem Teufel. Christsein heißt, du bist im Konflikt – und nicht auf einer Ferientour.

So, dieser Geist der Welt hat unseren Neubekehrten total verseucht, davon müssen wir ausgehen. Und jetzt machen wir einen Entseuchungsprozess oder Entlausungsprozess oder nenn das, wie du willst. Aber wir treiben ihm den Geist der Welt aus – mit seinem Einverständnis natürlich. Und wir prägen ihn neu mit dem Heiligen Geist, und wir bringen ihm die Kultur, den Lebensstil des Reiches Gottes bei.

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